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    <title>Diane Klüsener</title>
    <description>Heimgärtnerin, Biologin, Wollnärrin — Notizen und Fotos aus Feld, Wald und Wiese.</description>
    <language>de-DE</language>
    <link>https://diane-kluesener.de/</link>
    <item>
      <title>Nasen.</title>
      <link>https://diane-kluesener.de/posts/nasen</link>
      <guid>https://diane-kluesener.de/posts/nasen</guid>
      <pubDate>Sat, 19 Oct 2024 13:50:36 +0200</pubDate>
      <description>&lt;div class="trix-content"&gt;
  &lt;p&gt;Die nächstgrößere Stadt in meiner Umgebung ist Rendsburg. Mit 30 545     Einwohnern (&lt;a href="https://region.statistik-nord.de/detail/0010000000000000000/1/0/1049/"&gt;Stand 31.12.2023&lt;/a&gt;) ist es recht übersichtlich; für die wichtigsten größeren Erledigungen wie Facharzttermine oder Besorgungen im Bau- und Landmarkt sowie größere Lebensmitteleinkäufe verschlägt es uns meist dorthin. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Rendsburg besitzt einen Altstadtteil mit einigen schönen, wenn auch leider größtenteils nicht sonderlich gut gepflegten, Fassaden aus ausgemauertem Fachwerk oder auch reinen Backsteinmauern, zum Teil mit historischen Feldbrandziegeln. Zuweilen nehme ich mir gerne ein wenig extra Zeit und betrachte diese alten Fassaden, die oftmals noch mit mehr Liebe zum Detail - und mit mehr Detail allgemein - gefertigt wurden. Immer wieder entdeckt man neue Details, sei es dekorativ angeordnete Ziegel um ein Fenster oder eine Tür, beschnitzte oder bemalte Balken des Fachwerks, Zeichen von Umbauten (wenn beispielsweise ein altes Fenster mit neueren Ziegeln ausgemauert wurde, oder ein ehemaliger Anbau einst abgerissen wurde, was Spuren in der angrenzenden Wand hinterließ), oder wie jüngst, angeklebte Nasen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Angeklebte Nasen. Wie bitte?&lt;/p&gt;

&lt;hr&gt;

&lt;p&gt;Meine Eltern waren zu Besuch und meine Mutter half mir mit ein paar Besorgungen in der Stadt. Da wir beide uns gerne schonmal schöne, auch etwas ältere oder verwunschene Dinge anschauen, beschloss ich, ihr ein paar Ecken mit hübscheren Hauswänden zu zeigen. An einer zwar nicht historischen, aber doch kunstvoller gemauerten Backsteinfassade fiel sie mir dann auf: Die Nase.&lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzM0Nj9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--01e8cb77b746310b1a0934a6702b327af8aeb68d" content-type="image/jpeg" filename="20241017_153256.jpg" filesize="1165776" width="4000" height="2000" previewable="true" caption="Nase1"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--jpg"&gt;
    &lt;img alt="Nase1" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzQ2LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--6c170c5447bceb42bf1f54f4d740a980b59bb770/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJqcGciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--bacaf530d708b5f1687ef34862daea79c30f0b2d/20241017_153256.jpg"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Nase1&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;p&gt;Kurios: Eine Ton-Nase, einfach frech zwischen die Backsteine geklebt. Ich freute mich riesig über diesen dezent versteckten und doch exzentrischen Schabernack. Was finde ich als nächstes? Ohren?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Doch diese Nase sollte nicht die einizige bleiben. An einer anderen Backstein-Fassade schnüffelte uns der nächste Rüssel entgegen:&lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzM0Nz9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--e7c1708f634ff263b3ef847ff93256bf3180a5d8" content-type="image/jpeg" filename="20241017_153422.jpg" filesize="1111308" width="4000" height="2000" previewable="true" caption="Nase2"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--jpg"&gt;
    &lt;img alt="Nase2" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzQ3LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--33644b26d4a61fc0a1a63f859d3095f5e79d4ad6/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJqcGciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--bacaf530d708b5f1687ef34862daea79c30f0b2d/20241017_153422.jpg"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Nase2&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;p&gt;Wir gingen auf Nasenjagd. Unser Eindruck war, dass  die Nasen nur auf hübschen Backsteinfassaden zu finden waren. Zwei weitere Nasen sollten wir an diesem Tag noch finden und diese waren in der Tat alle an Backsteine geheftet (wir schauten auch auf andere Fassadentypen). Manchmal in für uns bequem erreichbare Höhen, manchmal auch für große Menschen nur schwer erreichbar. &lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzM0OD9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--5a27a8f674fc181b5b85a0eec7d222e6fabecc57" content-type="image/jpeg" filename="20241017_154714.jpg" filesize="2393450" width="4000" height="2000" previewable="true" caption="Nase3"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--jpg"&gt;
    &lt;img alt="Nase3" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzQ4LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--94e385405c41883c2a2cc7102d46d2a7f3abcce9/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJqcGciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--bacaf530d708b5f1687ef34862daea79c30f0b2d/20241017_154714.jpg"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Nase3&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzM0OT9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--7a9de7019795bd2445616b1bf88118e99ab7a855" content-type="image/jpeg" filename="20241017_160439.jpg" filesize="2269145" width="4000" height="2000" previewable="true" caption="Nase4"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--jpg"&gt;
    &lt;img alt="Nase4" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzQ5LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--bf0de92814d2a944b5bfb67ce1778d75ff36c9fa/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJqcGciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--bacaf530d708b5f1687ef34862daea79c30f0b2d/20241017_160439.jpg"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Nase4&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;p&gt;Wer steckte dahinter? Was war das Muster, was die Intention? Nicht alle Nasen lagen an unbedingt stark frequentierten Orten. War es vielleicht eine Aktion der lokalen Tourismus-Branche? Dienten die Nasen als Haltepunkte für Führungen? Nach der dritten Nase kam mir die Idee, in der Tourismus-Information nachzufragen. Diese liegt im (immerhin sehr gut gepflegten) &lt;a href="https://www.rendsburg-tourismus-marketing.de/sehenswuerdigkeiten/altes-rathaus"&gt; alten Rathaus&lt;/a&gt;, ein malerisches altes Gebäude, dessen Gefache in unterschiedlichsten Mustern ausgemauert sind. Die Fenster bestehen teilweise aus Buntglas, die Türen sind beschnitzt und bemalt. Alleine mit der Betrachtung dieses einen Gebäudes kann man viel Zeit verbringen. Am alten Rathaus fand ich keine Nase.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Weder wusste man, wer hinter den Nase steckte. Der Herr am Schalter schien sichtlich amüsiert, nachdem ich verkündete, ich hätte "drei Nasen gefunden", erkannte aber bald, worum es mir ging. Die Nasen an sich sind bekannt. Ein unbekannter Künstler habe eine unbekannte Anzahl Nasen an insgesamt unbekannten Stellen angebracht, manchmal wechselten die Nasen gar den Standort. Laufende Nasen quasi. Die Intention dahinter? Nicht bekannt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das war für mich einerseits unbefriedigend, andererseits hielt es die Sache aber auch spannend. Wie viele Nasen sind es nun? Und gibt es nun ein Muster? Was sagt es uns?&lt;/p&gt;

&lt;hr&gt;

&lt;p&gt;Zufällig hatte ich gestern noch einmal einen Termin in Rendsburg und nahm mir anschließend Zeit, ein wenig auf Nasen-Safari zu gehen. Insgesamt fand ich noch acht weitere Nasen, von denen ich fünf fotografierte. Eine davon war bereits weggelaufen.&lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzM1MD9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--1cda840e39dd500cc964d1988c33a4fea52d35f3" content-type="image/jpeg" filename="20241018_103425.jpg" filesize="2259885" width="4000" height="2000" previewable="true" caption="Nase5"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--jpg"&gt;
    &lt;img alt="Nase5" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzUwLCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--cd9d6d1b549a41cdce7f861f1c0f4745dfe0ae9b/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJqcGciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--bacaf530d708b5f1687ef34862daea79c30f0b2d/20241018_103425.jpg"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Nase5&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzM1MT9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--f1848305b76a2e8fc059b56ffdcd3191b5a5f405" content-type="image/jpeg" filename="20241018_105140.jpg" filesize="2005820" width="4000" height="2000" previewable="true" caption="Nase6"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--jpg"&gt;
    &lt;img alt="Nase6" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzUxLCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--e64e0ad44429da60f85b3fd1051bd29ca5d1db0d/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJqcGciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--bacaf530d708b5f1687ef34862daea79c30f0b2d/20241018_105140.jpg"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Nase6&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

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    &lt;img alt="Nase7" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzUyLCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--2dd2d108549d358bd8955180f711923d98a0c1b8/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJqcGciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--bacaf530d708b5f1687ef34862daea79c30f0b2d/20241018_110938.jpg"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Nase7&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

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    &lt;img alt="Nase8" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzUzLCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--0ff3097d287e7828a55f5f9392d594eab32ad59f/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJqcGciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--bacaf530d708b5f1687ef34862daea79c30f0b2d/20241018_111409.jpg"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Nase8&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzM1ND9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--15d81223f8d5f998e87fc94f596d63c833366a41" content-type="image/jpeg" filename="20241018_111623.jpg" filesize="1195008" width="3000" height="1500" previewable="true" caption="Nase9"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--jpg"&gt;
    &lt;img alt="Nase9" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzU0LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--8de5a538c4abe2df4dadd3fd90f000548e814b5d/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJqcGciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--bacaf530d708b5f1687ef34862daea79c30f0b2d/20241018_111623.jpg"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Nase9&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;p&gt;Was auch immer die tatsächliche Intention des Künstlers - oder der Künstlerin, wir wissen es ja nicht - sein mag... die Nasen haben mich dazu gebracht, nochmal genauer hinzuschauen. Ein wenig mehr um die Fassaden zu schnüffeln. Nach versteckten Details zu suchen. Noch einmal durch etwas verstecktere, weniger offensichtliche Straßenzüge zu schlendern. Den Scheuklappenblick, mit dem wir oft von A nach B eilen, abzulegen (was ich vielleicht ein wenig weniger nötig hatte als andere). Es mir noch ein wenig egaler sein zu lassen, wenn es eventuell etwas sonderbar aussieht, wie ich penibel die verschiedenen Fassaden öffentlicher wie privater Gebäude inspiziere. Mich auch an der Nase herumführen zu lassen? Immerhin ist mir erstmalig aufgefallen, wie beeindruckend das Gebäude aussieht, in dem der Studienkreis Nachilfe einquartiert ist (neben dem schicken Theatergebäude). Und dass ich ja schön länger mal ins Museum im Hohen Arsenal wollte. Besser als zuhause vor der Glotze zu hocken, von Nachrichtensendungen schlechte Laune zu bekommen und über Filme und Serien in Parallelwelten zu fliehen war es allemal. Wobei ja nichts gegen eine gute Realitätsflucht hier und da einzuwenden ist (wozu sonst gibt es das wundervolle Fantasy-Genre? Wozu gibt es Bücher?). Wenn man einen Moment drüber nachdenkt: Ist es nicht auch eine Art von Realitätsflucht, wenn man einen Vormittag lang in einer Altstadt auf Nasensuche geht? Kann man sich dabei nicht auch als Charakter einer etwas wundersamen Geschichte fühlen? &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Unsere Internetrecherche zu den Rendsburger Nasen brachte übrigens nur wenig Erkenntnis. Ein &lt;a href="https://www.shz.de/lokales/rendsburg/artikel/rendsburger-gehen-auf-nasen-safari-wer-beruesselt-die-stadt-41591128"&gt;Artikel der sh:z&lt;/a&gt; vom 26. Juli 2016 (!) steckt hinter einer Paywall, berichtet im Teaser aber immerhin über nicht weniger als 40 versteckte Nasen. Vierzig! Ich fand zwölf. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es gibt also noch viele, viele Nasen zu finden...&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
</description>
    </item>
    <item>
      <title>Hexapoden im Dornröschenschlaf</title>
      <link>https://diane-kluesener.de/posts/hexapoden-im-dornroschenschlaf</link>
      <guid>https://diane-kluesener.de/posts/hexapoden-im-dornroschenschlaf</guid>
      <pubDate>Tue, 02 Jan 2024 23:12:03 +0100</pubDate>
      <description>&lt;div class="trix-content"&gt;
  &lt;p&gt;Die meisten Insekten überwintern im Energiesparmodus, das heißt, sie fahren ihre Körperfunktionen herunter und harren aus. Als wechselwarme Tiere können sie sich bei niedrigen Temperaturen ohnehin kaum bis gar nicht bewegen. Entsprechend nehmen sie auch keine Nahrung zu sich. Um trotz aller Tricks, die die Evolution ihnen beschert hat, bei besonders tiefen Temperaturen nicht zu erfrieren, ziehen sie sich in z.B. Laub- oder Komposthaufen, Altgrasbüschel, alte Pflanzenstengel, zwischen Steinen und Brennholzhaufen oder allerlei sonstigen Spalten zurück. Hauptsache frostfrei und geschützt vor Fressfeinden.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Viele Wildbienenarten überwintern in ihrer Kinderstube. Nach der Entwicklung vom Ei zur Larve und schließlich zum Imago erblicken sie erst im folgenden Frühjahr das erste Sonnenlicht. An guten Nisthilfen lässt sich das besonders schön an Arten wie der Rostroten Mauerbiene (&lt;em&gt;Osmia bicornis&lt;/em&gt;) beobachten, die an den ersten schön warmen Frühjahrstagen an den Nisthilfen "schwärmen".&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Bei den sozialen Wildbienen (z.B. den Hummeln) und Wespen (z.B. Deutsche Wespe, Sächsische Wespe, Hornisse) überwintern ausschließlich die befruchteten Königinnen, der Rest des Staates stirbt je nach Art schon im Sommer oder im Herbst. Wer im Winterhalbjahr doch ein wenig um Haus und Garten zu tun hat, kann manchmal überwinternde Wespenköniginnen finden. Diese sind anhand folgender Merkmale von toten (nicht während des Überwinterns verstorbenen) Königinnen zu unterscheiden: Die Königin wurde an einem geschützten Ort gefunden, mit Mandibeln und Fußkrallen klammert sie sich am Untergrund fest; die Flügel liegen nicht auf dem Rücken, sondern seitlich unten am Körper, auch die Fühler stehen nicht ab, sondern werden von den Vorderbeinen seitlich am Kopf angelegt. Naturliebhaber sollten diese Tiere unbedingt in Ruhe lassen und wenn möglich das Versteck bis zum Frühjahr (je nach Witterung März/April) meiden.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;(Die Bilder zu diesem Blogpost zeigen eine überwinternde Königin der Deutschen Wespe &lt;em&gt;Vespula germanica&lt;/em&gt;)&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und die Honigbiene? Die Honigbienen-Königin hat ihren Hofstaat von "Winterbienen" um sich gesammelt, der sie warm hält. Diese als Wintertraube bezeichnete Bienenkugel besteht aus besonders langlebigen Arbeiterinnen und teilweise noch einzelnen Drohnen. Im Inneren der Traube ist es gut 20-30°C warm, fängt die Königin im Spätwinter wieder mit der Eilage an, wird es sogar noch wärmer (etwa 35°C). Das Volk ernährt sich in dieser Zeit von den im Sommer gesammelten Vorräten. Natürlicherweise ist das der Honig, je nach Art der imkerlichen Tätigkeit alternativ ein Zuckersirup.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wer unseren sechsbeinigen Mitbewohnern eine gute Zeit durch den Winter bieten will, schneidet Blütenstände des Vorjahres erst im Frühling und lässt geplant oder ungeplant "unordentliche" Ecken noch ein wenig länger unordentlich. Die Natur dankt es spätestens zur warmen Jahreszeit mit jeder Menge Gesumme und einer Vielzahl faszinierender Naturbeobachtungen.&lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzM0ND9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--78b3d13368b0317516a9786c59ccb1e99a714ddc" content-type="image/jpeg" filename="Vespula_germanica_Winter.jpg" filesize="114490" width="1190" height="595" previewable="true" caption="Vespula germanica"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--jpg"&gt;
    &lt;img alt="Vespula germanica" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzQ0LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--8c5bceb586274b6deff9e0e9613fbc1cc802e989/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJqcGciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--bacaf530d708b5f1687ef34862daea79c30f0b2d/Vespula_germanica_Winter.jpg"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Vespula germanica&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;
&lt;/div&gt;
</description>
    </item>
    <item>
      <title>Sommerzeit ist Wespenzeit</title>
      <link>https://diane-kluesener.de/posts/sommerzeit-ist-wespenzeit</link>
      <guid>https://diane-kluesener.de/posts/sommerzeit-ist-wespenzeit</guid>
      <pubDate>Wed, 21 Jun 2023 16:03:38 +0200</pubDate>
      <description>&lt;div class="trix-content"&gt;
  &lt;p&gt;Neben unzähligen (Wild-)Bienen, Fliegen, Schmetterlingen und Käfern sind auch die typisch schwarz-gelben Vertreter der sogenannten sozialen Faltenwespen wieder unterwegs. Manche nagen vielleicht an Holzpfosten und Gartenmöbeln, um Baumaterial für ihr Nest zu sammeln, andere versorgen sich selbst an verschiedenen Pflanzen mit Nektar, wieder andere jagen Insekten, um ihre Brut zu versorgen. Dabei erfüllen sie wichtige Funktionen als Bestäuber und Regulatoren im Ökosysten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Unter den sozialen Faltenwespen (sie falten ihre Flügel in Ruhestellung längs zusammen, daher der Name) wird zwischen "Feldwespen" und "Echten Wespen" unterschieden. Beide bauen ihre Papiernester aus einer Mischung von Holzfasern und Speichel. Doch bei den Feldwespen bleiben diese klein und die einzelnen Waben werden nicht mit einer Hülle umschlossen. Sie liegen meist so versteckt, dass die wenigsten sie jemals bemerken. Die Echten Wespen - zu denen übrigens auch die Hornisse zählt - bauen deutlich größere, teilweise auch sehr große Papiernester. Die Waben mit der Brut sind immer von einer Hülle umschlossen. Je nachdem, welche Wespenart das Nest gebaut hat, ist es unterschiedlich groß, geformt und gefärbt. Auch der Neststandort ist unterschiedlich. Manche Arten bevorzugen geschützte Hohlräume. Dabei kann es sich um eine Baumhöhle, ein altes Mäusenest im Boden oder einen Vogel-Nistkasten handeln, aber auch um eine ruhige Stelle im Gartenschuppen oder ein Platz unterm Dach. Wieder andere bauen ihre Nester zwar geschützt, aber offen, z.B. in Hecken oder unterm Vordach an der Hauswand.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Viele Menschen haben Angst vor Wespen, weil sie in ihrem Leben schmerzhafte Erfahrungen mit dem Stachel der Tiere gemacht haben. Dabei stechen die Tiere nur, wenn sie ihr Leben oder das ihrer Brut - also ihrer Familie - bedroht sehen. Wer sich nicht bedrohlich verhält, braucht in der Regel auch keinen Angriff befürchten. Der beste Schutz vor Wespenstichen lautet somit: Ruhe bewahren.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Überhaupt sind es von den 8 Vertretern der Echten Wespen nur zwei Arten, die uns im Laufe des Sommers gerne mal lästig werden. Gemeint sind die Deutsche Wespe (&lt;em&gt;Vespula germanica&lt;/em&gt;) und die Gemeine Wespe (&lt;em&gt;Vespula vulgaris&lt;/em&gt;). Die Arbeiterinnen dieser beiden Arten können kaum widerstehen, wenn wir draußen die Tische mit Grillfleisch (Proteinquelle für die Brut) und zuckerhaltigen Getränken und Kuchen (Treibstoff für die hungrigen Arbeiterinnen) füllen. Da diese Arten häufig im Siedlungsbereich vorkommen und sehr große Völker bilden, ist die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung hoch.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;(Das Bild zu diesem Artikel zeigt übrigens keine der beiden Arten, sondern die Sächsische Wespe &lt;em&gt;Dolichovespula saxonica&lt;/em&gt;, eine Langkopfwespe.)&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es gibt einige Verhaltensregeln, mit denen ein friedliches Zusammenleben mit Wespen am Esstisch problemlos möglich ist. Nahrung suchende Wespen verhalten sich in der Regel nicht aggressiv. Das bleibt auch so, wenn man folgendes beachtet:&lt;/p&gt;

&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;keine hektischen Bewegungen, nicht nach den Tieren schlagen. Penetrante Wespen können mit dem Handrücken oder einem Gegenstand langsam (!) weggeschoben werden.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;undurchsichtige Behältnisse und Speisen abdecken, damit keine Wespen versehentlich auf dem Teller oder gar im Mund landen. Bei Getränken helfen z.B. Bierdeckel auf dem Glas oder das Trinken mit Strohhalmen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;die Tiere niemals anpusten! Das CO2 aus der Atemluft wirkt als Alarmstoff, die Wespen werden gereizt.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Eventuell Ablenkfütterung einrichten. Eine solche besteht zum Beispiel aus einer Schale mit Obst (Weintrauben kommen besonders gut an), die etwa 10 Meter vom Gartentisch entfernt aufgestellt wird. Es besteht keine Garantie, dass &lt;em&gt;alle&lt;/em&gt; Wespen sich davon ablenken lassen, aber ein guter Teil wird lieber ungestört am süßen Obst knabbern statt am unruhigen Tisch rumzulungern.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;

&lt;p&gt;Je höher die Blühpflanzen- und Insektenvielfalt in der Umgebung (den eigenen Garten eingeschlossen) ist, desto weniger haben es die Wespen übrigens "nötig", Fleisch und Kuchen von unseren Tischen zu stibitzen. Doch in unserer ausgeräumten Landschaft und in Siedlungen, wo Schottergärten herrschen und jedes wilde Blümchen dem Mähroboter zum Opfer fällt, bleibt den Tieren nichts anderes übrig. Sie und ihre Brut leiden schlichtweg Hunger und so nutzen sie jede Möglichkeit, diesen zu stillen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und somit ist die beste Präventionsmaßnahme gegen lästige Wespen der Erhalt ihrer natürlichen Lebensgrundlagen, mit vielen verschiedenen heimischen Blühpflanzen und Lebensraum für andere Insekten. Wenn die Tafel von Mutter Natur gedeckt ist, ist die des Menschen nicht mehr ganz so spannend.&lt;/p&gt;

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    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Dolichovespula_saxonica&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;
&lt;/div&gt;
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    </item>
    <item>
      <title>Flechtweiden im Garten</title>
      <link>https://diane-kluesener.de/posts/flechtweiden-im-garten</link>
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      <pubDate>Sat, 15 Apr 2023 23:35:18 +0200</pubDate>
      <description>&lt;div class="trix-content"&gt;
  &lt;p&gt;Für den Frühjahrsmarkt Haithabu hatte ich schon im Herbst bei der Korbflechterin ein paar Flechtweiden-Stecklinge bestellt, um mir meine eigenen Flechtweiden zu kultivieren. Die gute Frau hielt ihr Wort  und brachte mir ganze vier Bündel á zehn Stecklinge in unterschiedlichen Farben mit - also vierzig Zweige! Die Namen der beiden hellgrünen rechts und links habe ich leider wieder vergessen, aber die grünen Mitte links waren glaube ich eine finnische Sorte und die rotbraunen hießen sowas wie "Amerikanische Rote". So oder so geben sie eine wunderschöne Kombination ab und ich beschloss, sie farblich alternierend in den Boden zu stecken, damit es auch im Garten schön bunt würde.&lt;/p&gt;

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    &lt;img alt="Flechtweiden-Stecklinge" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzM3LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--0e690d2c0660d23828423e192bb6d6f78740bcdd/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_1133.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Flechtweiden-Stecklinge&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;p&gt;Eine Reihe sollte den Vordergarten säumen. Damit das Ergebnis nicht komplett Kraut und Rüben wird, markierte ich mir mit einer Schnur grob eine Linie. Entlang dieser stach ich die Grasnarbe ab, damit die kleinen Weiden nicht allzu schnell wieder von Gras, Giersch und Brennesseln überwuchert würden. Schließlich steckte ich einen Teil der Stecklinge (von den "Finnischen" und den ganz hellgrünen) zu etwa zwei Dritteln in den Boden und wässerte ordentlich. Trocknet die Erde nicht aus, sollten sie Wurzeln schlagen und anwachsen.&lt;/p&gt;

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    &lt;img alt="Flechtweiden-Linie" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzM4LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--3e5154fd17dcbb0e9b3d8bebaad1f55c31894234/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_1134.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Flechtweiden-Linie&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzMzOT9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--d681afc5e9fd26d3cfb6c6dfdd26efb5e37a2707" content-type="image/jpeg" filename="DSC_1139.JPG" filesize="500045" width="1190" height="791" previewable="true" caption="Flechtweiden-gesteckt1"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--JPG"&gt;
    &lt;img alt="Flechtweiden-gesteckt1" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzM5LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--f15076b0a9a75075f5a2f71dce674c07d9377d44/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_1139.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Flechtweiden-gesteckt1&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;p&gt;Nun hatte ich noch 28 Stecklinge über - wohin damit?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;In einer Ecke des Vordergartens hatten wir diesen Winter einige alte Rhododendron-Sträucher weggenommen und ein paar Blümchen gesät. Was nicht von den Finken sofort aufgenascht wurde, wird im Laufe des Jahres vielleicht noch keimen. Zumindest der Huflattich, dessen Saatgut noch im Boden schlummerte, bildet schon kleine Blättchen und auch der Bärlauch expandiert in diese Fläche. Ich beschloss, diesen freien Platz zusätzlich für die restlichen Weiden zu nutzen. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Noch sieht das alles recht unspektakulär aus  - viele kleine Stöckchen, die kaum 20cm aus dem Boden gucken. &lt;/p&gt;

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    &lt;img alt="Flechtweiden-gesteckt2" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzQwLCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--c27460c73373a607f46ee2b27320e581f75f8908/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_1135.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Flechtweiden-gesteckt2&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;p&gt;Sollten die Weiden gut anwachsen, werde ich sie zu etwa Bauchnabel-hohen Kopfbäumen erziehen. In dieser Höhe kann ich sie auch dann noch gut ernten, wenn ich es mal im Rücken haben sollte (was hoffentlich noch ein paar Jahrzehnte hin ist), zugleich wären sie noch niedrig genug, dass ich die Arme nicht zu sehr heben muss. Ich würde also auch als Ömmaken noch Körbe mit eigenen Weiden machen - oder zumindest die Zweige dafür ernten können. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Bis der erste Korb geflochten ist, ist aber noch Geduld gefragt. Die Weiden müssen erst wachsen, in Form gebracht werden. Dann müssen genug Zweige daran stehen, um ausreichend Material zu haben...&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Aber der Anfang ist gemacht. Und damit ich auch ja keine groben Fehler dabei mache, hatte ich die zwei besten Aufpasser im Neutjenthal. Schmusefaktor inklusive.&lt;/p&gt;

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    &lt;img alt="Merlin1" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzQxLCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--cc43b8d0b0e791151a7676e2faf16793cb092118/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_1138.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Merlin1&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

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    &lt;img alt="Bendix1" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzQyLCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--886da099c9cc8f52e295d7312300e488ab546f54/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_1143.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Bendix1&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;
&lt;/div&gt;
</description>
    </item>
    <item>
      <title>Noch einmal durchatmen</title>
      <link>https://diane-kluesener.de/posts/noch-einmal-durchatmen</link>
      <guid>https://diane-kluesener.de/posts/noch-einmal-durchatmen</guid>
      <pubDate>Wed, 15 Feb 2023 23:30:16 +0100</pubDate>
      <description>&lt;div class="trix-content"&gt;
  &lt;p&gt;Es ist wieder diese Zeit im Jahr. Diese Zeit gegen Ende des Winters, in der Schwebe, kurz vor einem großen neuen Anfang. Zumindest, was das Gartenjahr angeht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Hier im Norden scheint das Jahr ein wenig  anders abzulaufen als ich es bislang gewohnt war. Es scheint mir länger kalt und trüb zu sein als beispielsweise im Ruhrgebiet oder im Bergischen Land. Der Eindruck wird dadurch verstärkt, dass es an meinem Haus sogar länger kühl ist als nur zwei Kilometer weiter im nächsten Dorf. Wenn dort Frühblüher wie Krokus, Schneeglöckchen und Blaustern schon in voller Blüte stehen, teilweise vielleicht bereits wieder vergehen, öffnen selbige in meinem Garten erst langsam und zaghaft ihre Kronblätter. Ich werde allmählich ungeduldig, möchte ins Gartenjahr starten, mich um all die Aufgaben kümmern, die mir zuweilen alle gleichzeitig durch den Kopf schwirren (Was pflanze ich dieses Jahr wo? Welche Sämlinge müssen vorgezogen werden? Schaffen sie es auf der Fensterbank, oder warte ich noch einige Wochen, bis es draußen wärmer ist und die Tage länger? Welche Beete müssen besonders vorbereitet werden? ...). Aber ich muss mich gedulden. Die Natur ist noch nicht so weit.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Tage hatte es noch einmal ordentlich Frost gegeben, an einem Morgen schien dazu die Sonne. Eine gute Gelegenheit, den morgendlichen Spaziergang mit Bendix ein wenig auszudehnen und die Kamera mitzunehmen. Was mir bei Frost immer besonders gefällt ist, wie er die Dinge einzurahmen scheint, ihre Konturen betont. Mit Gegenlicht wird das besonders deutlich, ist aber nicht leicht einzufangen, wenn man eigentlich nur ein paar hübschere Schnappschüsse machen will. Den einen oder anderen halbwegs gelungenen Schnappschuss möchte ich an dieser Stelle dennoch gerne mit der Welt teilen:&lt;/p&gt;

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    &lt;img alt="Kroki_im_Frost" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzMxLCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--a191c057495ad7ec16c21c84c66610bee14355c2/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_0711.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Kroki_im_Frost&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

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    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Eichenblatt_im_Frost&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

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    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Aeste_im_Gegenlicht&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzMzND9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--664880469abbf69acf4850801cb6fefd61fad874" content-type="image/jpeg" filename="DSC_0825.JPG" filesize="922535" width="2815" height="1408" previewable="true" caption="Fetthenne_im_Frost"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--JPG"&gt;
    &lt;img alt="Fetthenne_im_Frost" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzM0LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--2c1c10f670c2eaaa228ade8e7312ebd018f04f70/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_0825.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Fetthenne_im_Frost&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzMzNT9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--e53aed0066234d3bb1e1a6627c5985e7376c0e3d" content-type="image/jpeg" filename="DSC_0808.JPG" filesize="1488159" width="3008" height="2000" previewable="true" caption="Eisfläche"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--JPG"&gt;
    &lt;img alt="Eisfläche" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzM1LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--050ed23ad48f657d8915c2385ae4a8755c9e25c2/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_0808.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Eisfläche&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;p&gt;Ein Problem, welches mir bei solchen Foto-Spaziergängen häufig unterkommt, ist das Erkennen eines guten Motives. Oft sehe ich etwas, eine Kleinigkeit vielleicht, das mich entzückt und staunen lässt - sei es die Art, wie das Licht gerade durch den Wald scheint oder sei es ein kleines Insekt, welches auf einem Blatt ruht oder eine bestimmte Weise, wie ein Baum gewachsen ist - und ich möchte diesen wunderbaren Moment der Schönheit einfangen. Ich schicke mich also an, ein Foto aus einem passenden Winkel zu machen, manchmal sogar mit etwas unbequemen Verrenkungen oder wenig elegantem auf-dem-Waldboden-rumkriechen. Nicht selten schaue ich mir das entstandene Bild nachher auf dem Display der Kamera an und stelle fest, dass ich darauf einfach nichts Besonderes finde. Das Bild ist schnöd, nichtssagend. Ich mag etwas wundervolles entdeckt haben und es mag mich in größtes Wundern und Staunen versetzt haben - ein gutes Motiv war es aber nicht. Oft werden die Fotos schon an Ort und Stelle gelöscht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ganz ähnlich ging es mir an jenem Frostmorgen. Am Rande eines der Knicks entlang des Weges entdeckte ich einen in der Sonne hell leuchtenden Zweig, überwachsen mit Flechten, gespickt mit vielen kleinen Stacheln aus Eis. Die Kombination aus Flechten (immer ein Hingucker!) und Raureif war einfach umwerfend. Die dabei entstandenen Bilder, wie ich hinterher feststellte, weniger. Die künstlerischen Aspekte außen vor gelassen ist die Sache doch eine Erwähnung wert. Vielleicht ermutigt es ja eines Tages irgendjemanden, nach ähnlichen kleinen Wundern Ausschau zu halten: &lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzMzNj9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--7142868a9078b6644f9693a90fedead33e44112d" content-type="image/jpeg" filename="DSC_0737.jpg" filesize="973026" width="3008" height="1504" previewable="true" caption="Frostflechte"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--jpg"&gt;
    &lt;img alt="Frostflechte" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzM2LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--386c643e0e4ed40f08035ac8be4401b0c8bd620f/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJqcGciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--bacaf530d708b5f1687ef34862daea79c30f0b2d/DSC_0737.jpg"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Frostflechte&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;
&lt;/div&gt;
</description>
    </item>
    <item>
      <title>We need Moor!</title>
      <link>https://diane-kluesener.de/posts/we-need-moor</link>
      <guid>https://diane-kluesener.de/posts/we-need-moor</guid>
      <pubDate>Thu, 11 Mar 2021 20:44:10 +0100</pubDate>
      <description>&lt;div class="trix-content"&gt;
  &lt;p&gt;Na, schon den Vogel des Jahres 2021 gewählt? Nein? Na dann aber fix! Bis zum 19. März kann man noch seine Stimme unter &lt;a href="https://www.vogeldesjahres.de/"&gt;https://www.vogeldesjahres.de/&lt;/a&gt; abgeben. Wer sich noch unsicher ist, kann auch den &lt;a href="https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/vogel-des-jahres/wahl-2021/29200.html"&gt;Bird-O-Mat&lt;/a&gt; ausprobieren und so herausfinden, welcher Vogel zu ihm/ihr passt. In unserem Haushalt haben wir natürlich schon lange gewählt. Wir haben uns für den Goldregenpfeifer entschieden. Nachdem ich meinen Blopost zu diesem Piepmatz geschrieben hatte, lernte ich, dass die letzte Brutpopulation in Deutschland tatsächlich schon erloschen ist und er nur noch als Wintergast vorbeikommt. So wie dem Goldregenpfeifer darf es seinem Lebensraum, den Mooren, nicht ergehen! Nicht nur sind es besondere Lebensräume, die Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause geben, welche woanders nicht überleben würden. Nein, Moore nehmen auch eine extrem wichtige Rolle ein in der Verlangsamung des Klimawandels. So schrieb das Umweltbundesamt (UBA) &lt;a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/moor-waldschutz-den-treibhausgasausstoss-senken"&gt;2016&lt;/a&gt;: "Allein in Deutschland im Jahr 2013 emittierten zerstörte Böden von Mooren und Wäldern Treibhausgase mit einer Klimawirkung von etwa 45 Millionen Tonnen CO2. Mit der Entwässerung von Mooren wird bisher unter Luftabschluss konserviertes pflanzliches Material abgebaut, was Kohlenstoff und Lachgas freisetzt." Intakte, nasse Moore hingegen speichern große Mengen an CO2, da sich das aufwachsende organische Material unter Luftabschluss nicht zersetzt, sondern zu Torf wird. Bei diesem Material muss es sich übrigens nicht nur um die typischen Torfmoose handeln, auch andere Pflanzen können zu Torf werden.&lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzMyNj9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--af8eb296a1a83eea9845ae23a965106c4ea0e58b" content-type="image/jpeg" filename="DSC_9484.JPG" filesize="302835" width="1190" height="595" previewable="true" caption="Sphagnum"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--JPG"&gt;
    &lt;img alt="Sphagnum" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzI2LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--a1d7f1c9d9219e018cba3126b512b22544afb52a/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_9484.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Sphagnum&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;p&gt;Dass in deutschen Dörfern - und mit Sicherheit auch anderswo - Torf in Handarbeit zu Heizzwecken gestochen wurde, ist übrigens noch gar nicht so lange her. In Stafstedt zum Beispiel, wo ich seit etwas über einem Jahr nun wohne, wurde mindestens noch bis in die sechsziger Jahre Torf gestochen. Das geht einerseits aus der Dorfchronik hervor, die einige spannende Dinge aus dem Leben "von früher" zu berichten weiß, aber natürlich wissen die Dorfleute auch noch davon zu erzählen. Irgendwann lohnte sich die mühselige Arbeit nicht mehr und etliche Moorflächen wurden aufgeforstet. Ich schätze, dabei handelt es sich primär um die Fichten-Kulturen, die nun langsam sterben (?); auf anderen Flächen stehen hingegen Waldstücke aus Erlen, Eichen und vor allem Birken, die noch recht jung scheinen und sich wohl im Zuge natürlicher Sukzession entwickelt haben werden. Darin finden sich immer wieder ehemalige Knicks, Grenzen alter Felder und Weiden, aber auch kleinere, auffällige "Becken" rechteckigen Umrisses, die vielleicht auf den ehemaligen Torfstich zurückzuführen sind.&lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzMyNz9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--6c1c64557807decee35b54e565444aab70d26846" content-type="image/jpeg" filename="DSC_9476.JPG" filesize="428821" width="1190" height="595" previewable="true" caption="Torfstich"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--JPG"&gt;
    &lt;img alt="Torfstich" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzI3LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--8e34525c9065012b24403905edc68e2c3d929bca/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_9476.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Torfstich&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;p&gt;Wenn wir Moore renaturieren und erhalten, profitieren nicht nur Tiere, Pflanzen und erschöpfte Naturschützer, sondern die gesamte Gesellschaft. Verschiedene Wege, wie wir dies erreichen können (und Moorflächen dabei sogar raffiniert wirtschaftlich nutzen), wird in &lt;a href="https://www.riffreporter.de/de/umwelt/neue-moore-fuer-naturschutz-klimaschutz"&gt;diesem RiffReporter-Artikel&lt;/a&gt; ausführlich erläutert. Ein Beispiel für die Nutzung nasser Flächen, auf denen dann langsam Torf wachsen kann, ist der Anbau von Schilf und Seggen als Heizmaterial. Oder wer hätte gewusst, dass sich aus einer heimischen Fleisch fressenden Pflanze, dem Sonnentau nämlich, Hustenmittel produzieren lässt? Und auch regional denkende Liebhaber von Reetdach-Häusern dürften sich freuen, wenn das Material zum Decken ihrer Dächer nicht mehr importiert werden muss (die Ernte aus deutschen Feuchtgebieten deckt gerde einmal 15% der Nachfrage). Moorschutz-basierte Lösungen zur Verlangsamung des Klimawandels inklusive wirtschaftlicher Nutzung der Moorflächen mittels Paludikultur - die wirtschaftliche Nutzung nasser (Moor-)Flächen -, all dies ist bereits vorhanden. Nur an der Umsetzung hapert es.&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Die Moore in unseren Gärten&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Etablierung und Ausweitung von Paludikulturen - das klingt nach etwas, das man besser Politik und Landwirtschaft überlässt, unterstützt durch ein überlegt gesetztes Kreuz bei Wahlen, nicht wahr? Sicherlich gibt es noch mehr Möglichkeiten, diesen Wirtschaftswandel zu unterstützen. Bis dahin versuchen wir es mit einem eigentlich sehr einfachen Schritt im alltäglichen Moorschutz, von dem nicht nur die Moore in Deutschland, sondern auch solche jenseits der Bundesgrenzen profitieren. Dafür betrachten wir einen Moment folgendes Bild eines kleinen, angefrorenen Häufchens Blumenerde auf einer Wiese:&lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzMyOD9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--7473968930bf81e692a2db182209440d12d0fc7f" content-type="image/jpeg" filename="DSC_9469.JPG" filesize="453339" width="1190" height="595" previewable="true" caption="Maulwurfshügel"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--JPG"&gt;
    &lt;img alt="Maulwurfshügel" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzI4LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--f3c75c3607288f04454d519678a6fc52a633fc5c/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_9469.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Maulwurfshügel&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;p&gt;Na, sieht das nicht ideal für eine handvoll hübscher Blümchen aus? Gute Blumenerde, wie man sie kennt, wenn sie frisch aus der Verpackung kommt. Krümelig, ein wenig feucht, voller kleiner Pflanzenstückchen, braun-schwarz.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wer mir jetzt zustimmt - "Ja, tolle Blumenerde, so sieht die, die ich immer kaufe, auch aus!" - der ist in die Falle getappt. Denn was hier abgebildet ist, ist eigentlich ein Maulwurfshügel auf einer Moorwiese. Dass dieses Häuflein Erde uns so an handelsübliche Blumenerde erinnert, liegt daran, dass die meisten handelsüblichen Blumenerden leider zu einem Großteil aus dem bestehen, was uns dieses kleine Säugetier an die Oberfläche geschleudert hat: Torf. Dieser wird dann aber nicht durch unzählige Maulwurfhändelein aufgeworfen, sondern mit großen Maschinen abgebaut. In Deutschland und, um den Bedarf zu decken, im Ausland. Das ist Naturzerstörung im großen Stil, das ist aktives Befeuern des Klimawandels. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Zum Glück ist es relativ einfach, seine eigene Schuld an diesem ökologischen und klimatologischen Schlamassel ein wenig zu mindern. Wenn man selber gärtnert, verzichtet man einfach auf solche Blumenerden, die Torf enthalten. Entweder, indem man einen eigenen Kompost anlegt, oder, indem man nur auf torffreie Produkte zurückgreift. Aber Vorsicht ist geboten: Man möge meinen, "Bio"-Blumenerden zu kaufen, genüge, doch der Begriff "Bio" ist für Blumenerden nicht geschützt, kann also quasi auf jedes beliebige Produkt gedruckt werden. Findet man keine Erden mit dem Schlagwort "torffrei" oder "ohne Torf", muss man entweder ins Kleingedruckte auf der Rückseite der Verpackung schauen, oder sich anderswo Hilfe suchen. Die gibt es glücklicherweise, zum Beispiel in Form des "&lt;a href="https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/naturschutz/naturschutz_einkaufsfuehrer_torffreie_erden.pdf"&gt;BUND Einkaufsführers für torffreie Erden&lt;/a&gt;". Kauft man lieber "fertige" Topfpflanzen statt Saatgut, wird es schon schwieriger, denn auf was für Substrat die Pflänzlein gezogen wurden, ist nicht unbedingt ersichtlich und auch Bio-Gärtnereien (dieses Mal mit echtem Bio-Siegel) nutzen schonmal torfhaltige Pflanzerden. Auch hier könnten Paludikulturen eine Lösung sein. Statt den historisch gewachsenen Torf abzubauen, kann man Gemüse- und Zierpflanzen auf Torfmoos wachsen lassen. Dies lasse man auf wassergesättigten Flächen wachsen und ernte es ca. alle zwei Jahre, um daraus Pflanzsubstrat herzustellen. Während dieser zwei Jahre bieten die Flächen Lebensruam für Insekten, Amphibien und Vögel.&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Ein Ökosystem mit Imageproblem&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Dass wir Menschen uns schwer tun, "gutes Ackerland" zu vernässen, ja, &lt;em&gt;wieder&lt;/em&gt; zu vernässen, braucht niemanden wundern, haben wir doch über Jahrtausende genau das Gegenteil getan - Gräben gezogen, trocken gelegt - um mehr Ackerfläche zu schaffen, um mehr Nahrung für unser karges Leben produzieren zu können. Moore mit ihren nassen Senken, in denen man - den Gruselgeschichten zufolge - nur allzu leicht versinkt, hatten lange Zeit ein schlechtes Image. "Drain the swamps", ein Kampfbegriff, der dazu aufruft, etwas Lebensfeindliches zu etwas Gutem zu machen. Auch in alten Märchen und Sagen wird die Beziehung zu Sumpf und Moor deutlich. Diese Geschichten stammen aus Zeiten vor der Globalisierung, wie wir sie heute kennen, aus Zeiten, wo das Volk mühsam den eigenen Acker bestellte und eine einzige "Laune der Natur" die Existenz einer ganzen Familie gefährden konnte. Aber auf den "toten", dauernassen Flächen gediehen die Nutzpflanzen nicht.&lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzMyOT9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--ad74475722f2cff20a8a6c2b23b60debf5e4db18" content-type="image/jpeg" filename="DSC_9496.JPG" filesize="340487" width="1190" height="595" previewable="true" caption="Moorgraben"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--JPG"&gt;
    &lt;img alt="Moorgraben" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzI5LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--7c48924fc5828e95d1b92512207be6e4f49e7d6e/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_9496.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Moorgraben&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;p&gt;So heißt es zum Beispiel in einer sorbischen Sage: "&lt;em&gt;Lange schon hatte er sich über den Sumpf und das Moor rings um das Dorf geärgert, wo fauliges Wasser schwarz und träge zwischen Torfmoos, Riedgras und Sumpfporst stand und wo nachts Irrlichter ihr Wesen trieben. Und nun ließ er Kraft seines Wissens das Wasser aus Sumpf und Moor ablaufen, sodass dort gutes, süßes Gras wachsen konnte und Buchweizen und Hirse, Lein und Mohn, Zwiebeln, Bohnen, Erbsen, Kohl und Rüben.&lt;/em&gt;" (aus: "Meister Krabat der gute sorbische Zauberer", M. Nowak-Neumann. Domowina-Verlag.) &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Auch in J.R.R. Tolkiens "Der Herr der Ringe" sind die Moore klar negativ besetzt: "&lt;em&gt;The marshes were bewildering and treacherous, and there was no permanent trail even for Rangers to find through their shifting quagmires. The flies began to torment them, and the air was full of clouds of tiny midges that crept up their sleeves and breeches and into their hair. [...] There were also abominable creatures haunting the reeds and tussocks that from the sound of them were evil relatives of the cricket.&lt;/em&gt;" (aus: "The Fellowship of the Ring"). "&lt;em&gt;Wrenching his hands out of the bog, he sprang back with a cry. 'There are dead things, dead faces in the water,', he said with horror. 'Dead faces!' Gollum laughed. 'The Dead Marshes, yes, yes: that is their name,', he cackled. 'You should not look when the candles are lit.'&lt;/em&gt;" (aus: "The Return of the King")&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mittlerweile weiß man es besser. Die Gruselgeschichten sind vor allem das: Gruselgeschichten. Allerhöchstens noch Relikte aus Zeiten, da man diese besonderen Ökosysteme und ihre Phänomene (Irrlichter?) nicht verstand. Und wo die öden Feuchtflächen noch so ausgedehnt waren, dass man sich tatsächlich leicht verirren konnte. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Diese Zeiten sind vorbei, der Großteil der Moore innerhalb der bundesdeutschen Grenzen ist entwässert, vom Laien als ehemaliges Feuchtgebiet kaum zu erkennen. Wo sie noch in näherungsweise naturnaher Form existieren, sind sie auf unseren Schutz angewiesen. Sie - das sind nicht nur Torfmoose und Binsen. Es sind auch Sonnentau und Kuckucks-Lichtnelke, es sind Kreuzotter, Moor-Taumelkäfer, Hochmoor-Perlmuttfalter und Großer Moor-Bläuling, es sind die blubbernden Moorfrösche und die Uferschnepfen und viele andere. Manchen könnte es bald so ergehen wie dem Goldregenpfeifer. Auch er war unser Schützling. Auch ihn haben wir im Stich gelassen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mein Tipp: Lassen wir die Schauergeschichten aus Moor und Sumpf für gemütliche Abende am Kaminfeuer, mit Kuscheldecke, einem Tee oder Kakao. Sie sind es allemal wert, gelesen zu werden. Die echten, noch existierenden Moore aber wollen wir mit anderen Augen betrachten. Lasst uns dafür die Moore in unserer Umgebung erkunden (soweit vorhanden), lasst sie uns kennen lernen. Denn nur was man kennt, kann man gut schützen. Und was man gut kennen lernt, lernt man vielleicht auch lieben. Was man liebt, bewahrt man.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und an kühlen Herbsttagen, wenn der Nebel sich in dicken Schwaden auf die stillen Wasser legt, flüstert uns vielleicht doch der eine oder andere Moorgeist zu... und bedankt sich dafür, dass wir ihm sein bescheidenes Zuhause  nicht dräniert und planiert, sondern erhalten haben.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
</description>
    </item>
    <item>
      <title>Last but not least: die Unerwartete</title>
      <link>https://diane-kluesener.de/posts/last-but-not-least-die-unerwartete</link>
      <guid>https://diane-kluesener.de/posts/last-but-not-least-die-unerwartete</guid>
      <pubDate>Wed, 20 Jan 2021 21:32:58 +0100</pubDate>
      <description>&lt;div class="trix-content"&gt;
  &lt;p&gt;In der Vorwahl zum Vogel des Jahres 2021 hat ausgerechnet die Stadttaube Platz 1 errungen. Unter allen 307 Brutvögeln Deutschlands hat sie in der Vorwahl die meisten Stimmen erhalten. Was nicht bedeuten muss, dass sie schlussendlich auch gewählt wird. Wenn sich der Großteil der Menschen, die in der Vorwahl für einen anderen Vogel gestimmt haben, weiterhin gegen den verwilderten Verwandten einstiger Brieftauben wenden, wird es nichts mit dem unerwarteten Titel.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Aber wieso eigentlich unerwartet? 2020 war ja schon einmal eine Taube Vogel des Jahres, nämlich die &lt;a href="https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/vogel-des-jahres/turteltaube/index.html"&gt;Turteltaube&lt;/a&gt;. Gut, die ist in Deutschland ursprünglich heimisch und steht für besondere, schützenswerte Lebensräume. Das schafft die Stadttaube nicht. Aber mit geschätzt 500 Millionen Tieren gibt es doch so viele und sind sie als Teil unserer Fauna doch so präsent, dass der NABU einen recht ausführlichen &lt;a href="https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/helfen/05991.html"&gt;Artikel&lt;/a&gt; entworfen hat. Auch einen kompakten &lt;a href="https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/portraets/stadttaube/"&gt;Steckbrief&lt;/a&gt; gibt es. Darin heißt es unter anderem: "Sie ernähren sich von Samen, Brot, Früchten, Körnern und allerlei Abfall." Allerlei Abfall - was hat man sich als Nicht-Städter darunter genau vorzustellen? Als Ruhrpott-Kind umschreibe ich es mal so: Die alte Oma aus Mary Poppins, die den Tauben Körner zu futtern gibt, entstammt einer sehr romantischen Vorstellung. In Wahrheit werden zwischen Straßenbahngleisen erbitterte Kämpfe über ein Stück Currywurst ausgeführt! Kommt die Straßenbahn, steigt der Nervenkitzel. Wer zuerst flieht, verliert die Currywurst. Wer zu spät flieht, kommt zwischen Bahn und Gleise.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Müllschlucker, "Ratte der Lüfte", ein gurrendes Paket gleichgültig grauer Federn. Und das wollen wir als Jahresvogel küren? Für wunderbare Ökosysteme steht die Stadttaube sicherlich nicht. Aber wofür dann?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Bevor wir uns dieser Frage widmen, stellen wir uns zunächst eine andere: Wo kommt dieses rotäugige Täublein, das in den Menschen eher gemischte Gefühle hervorruft, überhaupt her?&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Wie die Taube in unsere Städte kam&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Die Stadttaube stammt von der in Europa und Afrika heimischen &lt;a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Felsentaube"&gt;Felsentaube (&lt;em&gt;Columba livia&lt;/em&gt;)&lt;/a&gt; ab. Wie der Name schon sagt, benötigt sie Felsen und Klippen zum Brüten. Natürlicherweise kommt sie vor allem im Mittelmeerraum vor, im Osten reicht ihre Verbreitung bis zum Kaspischen Meer. Zudem lebt sie in Schottland, Irland, den Shetland- und Faröer-Inseln. Im Orient wurde die Felsentaube zur &lt;a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Haustaube"&gt;Haustaube (&lt;em&gt;C. livia&lt;/em&gt; f. &lt;em&gt;domestica&lt;/em&gt;)&lt;/a&gt; domestiziert. Die skurrilen Formen, die vor allem im viktorianischen England durch spezialisierte Zucht entstanden, beeinflussten später Charles Darwin bei der Erarbeitung der Evolutionstheorie. Haustauben wurden aber auch als Brieftauben zur Übermittlung von Nachrichten eingesetzt. Taubenzucht als Hobby und Sport - so schaffte es die einstige Felsentaube in ihrer domestizierten Form auch in felsenarme Regionen Mitteleuropas.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Immer wieder entkamen dabei einige Vögel und verwilderten. Viele behielten offenbar ihre weitestgehend ursprüngliche Färbung, doch anders gefärbte Zuchttauben mischen sich immer wieder dazu und sorgten für die große Variabilität unserer heutigen Stadttaube.&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Feindbild Taube&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Lange Zeit hielten sich die wilden Populationen in Grenzen, doch nach dem zweiten Weltkrieg explodierten die Bestände nahezu. Gebäuderuinen stellten den perfekten Ersatzlebensraum dar, in den nächsten Jahrzehnten entwickelte sich zudem unsere Wohlstandsgesellschaft, deren Überfluss bequem von der Straße aufgepickt werden kann (so wie die besagte Currywurst). Leider kamen mit mehr Tauben auch mehr Probleme: Wo viele Tiere auf engem Raum leben, entsteht ein hoher Konkurrenzdruck (= Kampf um die Currywurst). Unter dem Stress leiden die Tauben, das Immunsystem wird geschwächt, sie sind anfälliger für Krankheiten. Außerdem ärgern sich die Stadtbewohner und -verwaltungen über die Kotmengen, die bei hohen Taubendichten zwangsläufig anfallen. Tauben verbreiten kaum mehr Krankheiten als andere Vogelarten, sind aber dennoch als "Ratten der Lüfte" verschrien und werden von vielen Menschen vehement verfolgt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;"Abschuss, Käfigfang mit Tötung, Vergiften mit Blausäure oder Schlafmitteln, „Tauben-Pille“, Ultraschall, elektromagnetische Felder, Taubenpasten oder mechanische Mittel wie Gitter, Drähte, Nägel und so weiter" zählt der NABU in seinem Stadttauben-Artikel als Beispiele auf. Diese Methoden seien "meist wenig effektiv und aus Tierschutzsicht bedenklich". Ein besseres Management bestünde zum Beispiel aus dem gezielten Erbauen von Taubenschlägen bei gleichzeitiger Entwertung der üblichen Niststellen. In den Taubenschlägen können die Bestände gut kontrolliert werden.&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Taubenfreunde&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Die Taube auf den Fotos zu diesem Blogpost schleppte ich selbst eines Tages zuhause an. Sie saß verletzt auf einem Stein im Bach nahe eines kleinen Stadtkernes und konnte nicht mehr fliegen. Ich fing sie ein und brachte sie zur nächsten Tierärztin. Die Wunde an der Brust wurde versorgt, ein paar Tipps zum Päppeln wurden mir mitgegeben sowie eine Katzenbox zum Transport. Taubi (so nannten wir sie - jaja, sehr kreativ) ließ all dies über sich ergehen, ließ sich aber zugleich nie anmerken, dass ihre Vorfahren mal domestiziert waren. Sie verhielt sich von Anfang bis Ende wie ein wildes Tier und war am Ende wohl froh, wieder fortfliegen zu können.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;(Den Luxus, sich auf ein Rentierfell zu kuscheln, ließ sie sich dennoch nicht nehmen...)&lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzMyND9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--01011d1a9ab1d1f60f08b3ca84489982b7b3a45e" content-type="image/jpeg" filename="taubi.jpg" filesize="171926" width="1190" height="595" previewable="true" caption="Taubi"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--jpg"&gt;
    &lt;img alt="Taubi" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzI0LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--bf74d1c33ed623eb5333c803b50a39265cfc8d90/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJqcGciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--bacaf530d708b5f1687ef34862daea79c30f0b2d/taubi.jpg"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Taubi&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;p&gt;Stadttauben mögen eigentlich Neozoen sein, aber sie sind fester Bestandteil unserer Fauna und Lebewesen wie viele andere auch. Sie haben es nicht verdient, dass man sie von  seinen Kindern scheuchen und jagen lässt (so bringt man seinen Kids eine lebensverachtende Haltung bei...), dass man selber nach humpelnden Bahnhofstauben tritt, ihnen mit bösen Absichten nachstellt oder sonstwie Schaden zufügt. Zum Glück gibt es auch viele Menschen, die Mitleid mit den Tieren haben. In Wildtier-Auffangstationen kümmern sich die Tierfreunde um hilfsbedürftige Stadttauben, andere konzentrieren sich ganz auf die Stadttaube (sogenannte "Tauben-Hilfen"). Solche Tauben-Fans waren es wohl, die für ihre verkannten Lieblinge ordentlich die Werbetrommel rührten. &lt;a href="https://www.nabu.de/news/2020/10/28814.html"&gt;Am 14. Oktober schrieb&lt;/a&gt; der NABU zur laufenden Vorwahl zum Vogel des Jahres: "Auch jetzt hält die Führung der Stadttaube noch an, die zwischenzeitlich sogar fast alle Bundesland-Rankings anführte. Nur zwei Bundesländer (offensichtlich ohne viele Stadttauben) wehrten sich gegen diesen Trend." &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Stellvertretend für all die Taubenfreunde habe ich mir das "&lt;a href="https://bugtales.fm/2021/01/06/ep31-von-tauben-und-kot-waffen/"&gt;Plädoyer für die Tauben&lt;/a&gt;" von Jasmin Schreiber angehört, welche mit Lorenz Adlung den Wissenschafts-Podcast "&lt;a href="https://bugtales.fm/"&gt;Bugtales.fm&lt;/a&gt;" produziert. Darin räumt sie mit ein paar Vorurteilen gegenüber (Stadt-)Tauben auf. Wer sich für die Details interessiert, kann sich die Episode anhören; ich fasse grob zusammen:&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Vorurteile auf dem Prüfstand&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Vorurteil 1: Tauben machen krank.&lt;/strong&gt; Schon vor Jahrzehnten wurde wissenschaftlich untersucht, ob Stadttauben schlimmere Krankheitsschleudern sind als die "süßen" Gartenvögel wie die Blaumeise oder das Rotkehlchen, mit denen wir uns so gerne umgeben. Ergebnis: Nope, kein Unterschied. Kranke Tauben fallen uns aber häufiger ins Auge, weil die Vögel als Currywurst fressende Kulturfolger mit vergleichsweise geringer Fluchtdistanz mehr auffallen als z.B. ein krankes Rotkehlchen, das sich eher bedeckt hält.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Vorurteil 2: Aber Salmonellen!&lt;/strong&gt; Ja, Tauben haben häufig Salmonellen, die sind aber in der Regel taubenspezifisch, schaden uns Menschen also nicht. Stadttauben haben schonmal "Menschen-Salmonellen", dies sei aber so selten, dass es wahrscheinlicher sei, sich an seiner Currywurst zu infizieren (oder an anderen, im Podcast genannten Beispielen).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Vorurteil 3: Der böse Taubenkot!&lt;/strong&gt; Hier wird zur Verminderung des Kotproblems auf das oben schon erwähnte Taubenschlag-Management eingegangen. Populationsregulierungen laufen  z.B. so ab, dass Taubeneier durch "Fake-Eier" aus Gips getauscht werden. Es wird also das Problem der großen Kotmengen nicht kleingeredet, sondern hervorgehoben, dass es probate Mittel gibt, diese Mengen zu reduzieren (indem man die Tauben auf nette Art reduziert)&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;In dem Podcast wird weiterhin über das interessante Sozialleben der Tauben eingegangen. Es lohnt sich, mal reinzuhören. Und wenn man das nächste Mal in der Stadt mit roten Glitzeräuglein um einen Krümel angebettelt wird, sollte man zwar nicht unbedingt nachgeben, darf aber gerne mal darüber staunen, was alles in dem kleinen Taubenhirn steckt.&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Die Stadttaube als Vogel des Jahres?&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Mit welcher Botschaft nun sollte die Stadttaube Vogel des Jahres werden? Dass sie überhaupt bisher so viele Stimmen ergattern konnte, damit haben die Naturschützer offenbar gar nicht gerechnet. In einem &lt;a href="https://www.riffreporter.de/flugbegleiter-koralle/vogel-des-jahres-2021-interview-norbert-schaeffer-krumenacker/"&gt;RiffReporter-Interview&lt;/a&gt; sagte der LBV-Vorsitzende Norbert Schäffer noch: "Wenn es die Straßentaube wird, wird sie es und wir werden auch dazu eine Botschaft haben. Das wäre natürlich nicht, was wir erwartet haben. Ich persönlich sehe sie auch nicht wirklich als eine heimische Vogelart an."&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Denke ich an die Stadttaube, so fällt mir auf, dass sie für sehr viele in der Stadt aufwachsende Menschen vielleicht die erste Begegnung mit "wilder" Natur sind. Die erste Erfahrung mit anderen Tieren außer dem Terrier von nebenan, sozusagen. Vielleicht könnte man sie als Botschafterin für Stadtnatur wählen? Während man auf Bus oder Bahn wartet, kann man das Balzverhalten wilder Vögel beobachten, quasi aus nächster Nähe - das ist schon was. Meine eigenen ersten Erfahrungen mit &lt;a href="/posts/mehr-tod-fur-das-leben"&gt;natürlicher, langsamer Verwesung&lt;/a&gt; habe ich selbst an verendeten Straßentauben gemacht. Die Straßentaube für die Stadtnatur?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nein, dieses Motto haben ihr NABU und LBV nicht ans Beinchen gebunden. "Toleranz für Tauben!" heißt es. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ehrlich gesagt finde ich, dass das ein wenig plump und unkreativ daherkommt. Die anderen Kandidaten stehen für zukunftsträchtige Wälder, für Moorschutz, für eine naturverträgliche Agarpolitik, für Insektenschutz. Die Taube? Für Toleranz für Tauben. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Aber seien wir nicht zu voreilig. Vielleicht soll über die Stadttaube eine Diskussion ausgetragen werden, die zu einem besseren Verständnis von Naturschutz führen soll. Viele der Taubenfans sind - zumindest wenn es um ihre Schützlinge geht - nämlich vor allem dem Tierschutz verpflichtet. Beim *Tier*schutz geht es darum, das Leid jedes einzelnen Individuums so gering wie möglich zu halten. Der *Natur*schutz kümmert sich primär um den Erhalt wertvoller Ökosysteme und um ganze Arten. Da wird auch schonmal utilitaristisch vorgegangen. Und machen wir uns nichts vor: In der Natur ist nicht Friede, Freude, Eierkuchen. Das bedeutet nicht, dass Naturschützer unnötiges Tierleid einfach hinnehmen. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dass die Grenzen zwischen Tier- und Naturschutz selbst im selben Lager zuweilen unterschiedlich gezogen werden, merkte man an den Reaktionen mancher NABU-Mitglieder, nachdem der neue NABU-Präsident gewählt worden war. Dieser ist nämlich auch aktiver Jäger. Unter manchen in der "Basis" war die Empörung groß. Dabei schließen sich gewissenhafte Jagd und Naturschutz mitnichten aus.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wenn wir uns auf &lt;a href="https://www.vogeldesjahres.de/"&gt;https://www.vogeldesjahres.de/&lt;/a&gt; für die Stadttaube entscheiden, möge sie für diese Diskussion - Tierschutz vs. Naturschutz - stehen. Doch soll sie außerdem für ein wenig bunt-graue Natur in den bunt-grauen Städten stehen. Und auch für Mitgefühl all den nichtmenschlichen Tieren gegenüber, mit denen wir unseren Lebensraum teilen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und essen wir diese verdammte Currywurst gefälligst auf, statt sie auf den Boden zu schmeißen! &lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Die Qual der Wahl&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Ich habe nun alle zehn Kandidaten für den Titel "Vogel des Jahres 2021" vorgestellt. Für alle gibt es gute Gründe, sie zu wählen. Manche sind einander ähnlich, manche scheinen miteinander wenig zu tun zu haben. Bis zum 19. März 2021 können wir uns für unseren Favoriten entscheiden. Wer wird es sein? Wem gebe ich meine Stimme? Welches der Themen, die die einzelnen Piepmätze repräsentieren, liegt mir am meisten am Herzen? Einiges habe ich in den letzten zwei Wochen gelernt, aber diesbezüglich fühle ich mich keinen Deut schlauer. Zum Glück ist noch etwas Zeit...&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
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    </item>
    <item>
      <title>Jahresvogel Rotbrust?</title>
      <link>https://diane-kluesener.de/posts/jahresvogel-rotbrust</link>
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      <pubDate>Tue, 19 Jan 2021 14:08:31 +0100</pubDate>
      <description>&lt;div class="trix-content"&gt;
  &lt;p&gt;Auch das Rotkehlchen will Vogel des Jahres werden. Mit seiner rostroten Brust, die es stolz präsentiert, und seinen unwiderstehlichen Knopfäuglein ist es jedem Gärtner wohl vertraut. Es lässt sich gerne an Futterstellen blicken. Zuweilen ist seine Fluchtdistanz sehr gering, sodass man es gut bewundern kann. In unserem vorherigen Garten schien es im Eibenstrauch regelrecht zu warten, bis wir den reifen Kompost voller Asseln und Springschwänzen fertig auf den Beeten verteilt hatten. Setzten wir uns nur wenige Meter an die Seite und verhielten uns ruhig, kam es direkt herbei uns schnappte sich jedes Krabbeltier, was ihm vor den Schnabel kam. Bei meinen Großeltern kriegen geduldige Rotkehlchen bei der Gartenarbeit Regenwürmer zugeworfen. &lt;a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rotkehlchen"&gt;Wikipedia&lt;/a&gt; (Stand 19.01.2021) schreibt zu seinen Essgewohnheiten: "Das Rotkehlchen ernährt sich hauptsächlich von Insekten, kleinen Spinnen und kleinen Regenwürmern. Ergänzend nimmt es Früchte und weiche Samen zu sich, darunter das Rotkehlchenbrot, Beeren (beispielsweise Mehlbeeren), Seidelbast und Liguster. Dabei behalten etwa 80 Prozent der aufgenommenen Beerensamen ihre Keimfähigkeit. Während der Brutzeit ist die Nahrung fast ausnahmslos aus tierischen Bestandteilen zusammengesetzt. Im Spätsommer, Herbst und Winter wird sie durch pflanzliche Nahrung ergänzt." Beim Rotkehlchenbrot handelt es sich übrigens um den Spindelstrauch, auch Pfaffenhütchen genannt, ein für uns giftiger, aber sehr dekorativer und ökologisch offensichtlich wertvoller heimischer Strauch. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Den Ornithologen und Vogelstimmen-Imitator Uwe Westphal hörte ich mal sagen: "Das Rotkehlchen profitiert von großen, grabenden Säugern." Ob Gärtner oder Wildschwein - für die kleine Rotbrust macht das keinen Unterschied.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Der Wikipedia-Artikel ist sehr ausführlich und mit vielen Quellen belegt, deswegen zitiere ich daraus noch einmal einige interessante Eckdaten: "Das Rotkehlchen lebt ursprünglich in Auwäldern, Laub-, Misch- und Nadelwäldern, sofern die Krautschicht nicht zu dicht und eine reichhaltige Bodenfauna vorhanden ist." "Das offene, napfförmige Nest befindet sich meistens in Bodenvertiefungen, in Halbhöhlen an Böschungen, im Wurzelwerk am Boden, unter Gestrüpp oder in hohlen Baumstümpfen. Gelegentlich wird es in Baumhöhlungen, Mauerlöchern oder anderen Höhlen angelegt." "Für den Bruterfolg des Rotkehlchens ist nicht die Größe des Reviers entscheidend, sondern die Beschaffenheit des Bodenbewuchses." Zusammenfassen ließe sich all dies in etwa so: Damit sich das Rotkehlchen richtig wohl fühlt, braucht es &lt;em&gt;Strukturreichtum&lt;/em&gt;: offene, lebendige Böden &lt;em&gt;und&lt;/em&gt; eine Vielzahl an Büschen, Stümpfen und anderen Strukturen, um sich zu verstecken und sein Nest zu bauen. Vor genau diesem Hintergrund ist es &lt;a href="https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/vogel-des-jahres/1992-rotkehlchen/index.html"&gt;1992&lt;/a&gt; schon einmal zum Vogel des Jahres gewählt worden.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Meiner Meinung nach der perfekte Rahmen für eine Wiederwahl; denn trotz Natur- und Landschaftsschutzgebieten ist die deutsche Landschaft in weiten Teilen ausgeräumt. In den Gärten - wichtige Ersatzlebensräume für Vögel wie das Rotkehlchen - verlaufen die Grenzen zwischen Büschen und Wiese (bzw. Thuja oder Kirschlorbeer und dichtem, sterilen Rasen) hart und übergangslos. Wo in Norddeutschland noch Knicks an Äcker und Wiesen grenzen, fahren die Bauern gebietsweise gerne so nah wie möglich an diese ran, um maximalen Ertrag zu erzielen. Der eigentliche, meterbreite Lebensraum "Knick" wird so auf den bewachsenen Wall selbst reduziert. Besser als nichts, im Zuge der &lt;a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Flurbereinigung_(Deutschland)"&gt;Flurbereinigung&lt;/a&gt; sind ohnehin schon viel zu viele dieser Landschaftsstrukturen vernichtet worden. Dennoch: der Druck bleibt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;NABU und LBV gaben dem Rotkehlchen dieses Jahr die Botschaft "Mehr Gartenvielfalt!" und haben den Wunsch nach mehr Strukturreichtum auf diesen einen Lebensraum spezifiziert. Pflanzen wir Rotkehlchenbrot statt Kirschlorbeer, lassen wir lebendige Wiesen wachsen statt Schotter zu kultivieren und wählen den Robin zum Jahresvogel.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
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    </item>
    <item>
      <title>Pandemie-Drossel oder "Sing mir das Lied vom Virus"</title>
      <link>https://diane-kluesener.de/posts/pandemie-drossel-oder-sing-mir-das-lied-vom-virus</link>
      <guid>https://diane-kluesener.de/posts/pandemie-drossel-oder-sing-mir-das-lied-vom-virus</guid>
      <pubDate>Mon, 18 Jan 2021 14:26:33 +0100</pubDate>
      <description>&lt;div class="trix-content"&gt;
  &lt;p&gt;Ein schwarzer Vogel mit gelb-orangem Schnabel huscht unter die Büsche, stochert auf der Wiese gekonnt nach Regenwürmern oder steht morgens stolz auf dem Dachfirst, sein Lied den Artgenossen entgegenträllernd: Die Schwarzdrossel oder Amsel (&lt;em&gt;Turdus merula&lt;/em&gt;) ist vielen wohl bekannt. Wie alle europäischen Vögel ist sie zwar geschützt, aber sie ist in ihrem Bestand nicht bedroht. Sie nistet im dichten Schutz einer Hecke oder einer Fassaden-Bepflanzung wie z.B. Efeu, wirft einem im Herbst und Winter Laubhaufen durcheinander und pickt einem die Beetränder sauber, immer auf der Suche nach einem proteinreichen Snack. Wie wir letztes Jahr feststellen durften, verschmäht sie auch Nacktschnecken nicht, reibt diese aber vorher über den Boden, wohl um den lästigen Schleim loszuwerden. Gute Nachrichten für den Hobbygärtner.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Amseln sieht man so häufig, dass man meint, bei ihnen sei die Welt noch in Ordnung. Bei der diesjährigen "&lt;a href="https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stunde-der-wintervoegel/ergebnisse/21784.html?jahr=2021&amp;amp;ort=&amp;amp;vogelart=Amsel&amp;amp;bundesland=&amp;amp;formchange=1"&gt;Stunde der Wintervögel&lt;/a&gt;" wurden in 87.11% aller Gärten Amseln gemeldet, insgesamt waren es 460912 Stück, pro Garten durchschnittlich etwa 2.96. Das bringt ihr bundesweit den vierten Platz ein (nach &lt;a href="/posts/wahlt-den-haussperling"&gt;Haussperling&lt;/a&gt;, Kohlmeise und Feldsperling).&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Die Amsel als Jahresvogel?&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Also alles cool bei der Amsel? Wir wollen sie erstmalig zum Vogel des Jahres wählen, weil einfach mal alles in Ordnung ist? Wäre mal nett, oder? &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;So einfach ist es natürlich nicht. In einer ausgeräumten Agrarlandschaft findet die Amsel ebenso wenig Zuflucht wie in sterilen Gärten voller Laubbläser, Mähroboter und Schotterflächen; späte Kälteeinbrüche im Frühjahr erschweren die Jungenaufzucht, Trockenheit und Hitze machen ihr zu schaffen wie jedem anderen Tier auch und bei aller liebevoller Gartenvogel-Fütterung bleibt es ein Problem, dass die Insekten, eine wichtige Nahrungsquelle der Amsel, vor unseren Augen wegsterben. Stellvertretend für all dies könnte die Amsel als Vogel des Jahres 2021 gewählt werden. Aber es gibt da noch etwas. Und damit macht sie der &lt;a href="/posts/die-blaumeise-pandemie-meise-des-jahres"&gt;Blaumeise&lt;/a&gt; den Titel als "Pandemie-Vogel" streitig.&lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzMyMT9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--a9eecfc84955a8999ab47bc9145baf5e86ddb1b5" content-type="image/jpeg" filename="DSC_2275.JPG" filesize="278605" width="1190" height="794" previewable="true" caption="Amsel"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--JPG"&gt;
    &lt;img alt="Amsel" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzIxLCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--79b5c9d1e8e7da67dbfd7633eeaefea3039754a4/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_2275.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Amsel&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;h3&gt;Amselsterben und das Usutu-Virus&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Seit einigen Jahren grassiert in Deutschland das &lt;a href="https://www.bnitm.de/aktuelles/fragen-antworten/faq-zum-usutu-virus/"&gt;Usutu-Virus&lt;/a&gt;. Es stammt ursprünglich aus Afrika und wird durch Stechmücken übertragen, Wildvögel stellen den Endwirt dar; nach Mitteleuropa gelangt es wahrscheinlich über Zugvögel. Kleinere Ausbrüche gibt es seit Mitte der 90er Jahre. Es sind viele verschiedene Vogelarten betroffen, aber Amseln scheinen besonders anfällig zu sein - oder sie fallen wegen ihrer Nähe zum Menschen einfach öfter auf. In den Jahren 2011/2012 kam es in Deutschland zum ersten großräumigen Ausbruch mit einem deutlichen Amsel-Massensterben in Südwestdeutschland. Verschwunden ist das Virus in der Region nicht, etwa fünf Jahre später kam es jedoch zu einem weiteren starken Ausbruch. Das Virus wurde nun auch in Nordwest- und Ostdeutschland gemeldet, außerdem war es in Belgien und den Niederlanden sehr präsent. Spätestens seit dem nächsten massiven Ausbruch 2018 ist es in ganz Deutschland nachgewiesen und auch im Folgejahr machte es keine Pause. Übertragungen auf den Menschen &lt;em&gt;können&lt;/em&gt; stattfinden (über Stechmücken), sind hierzulande bislang aber selten. Es &lt;em&gt;kann&lt;/em&gt; dabei zu einem Ausbruch des Usutu-Fiebers kommen, dies ist in jenen Infektionsfällen in Deutschland jedoch noch nicht geschehen.&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Symptome und Meldungen&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Der NABU fasst die Symptome infizierter Vögel &lt;a href="https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/gefaehrdungen/krankheiten/usutu/26276.html"&gt;wie folgt zusammen&lt;/a&gt;: "Vom Usutu-Virus befallene Vögel wirken offensichtlich krank, werden apathisch und flüchten nicht mehr und sterben meist innerhalb weniger Tage." Solche Fälle treten bislang in der Zeit zwischen Mai und November auf. In diesem Zeitraum ist ein &lt;a href="https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/gefaehrdungen/krankheiten/usutu/usutu-melden.html#formular"&gt;Meldeformular&lt;/a&gt; des NABU aktiv, über welches kranke oder tote Vögel gemeldet werden können. Naturschützer und auch Wissenschaftler können ihre Augen nicht überall haben, weshalb die Unterstützung seitens der Bevölkerung sehr hilfreich ist. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Von außen ist dabei kaum erkennbar, ob der Vogel an Usutu erkrankt (und ggf. verstorben) ist oder nicht, Symptome werden noch erforscht. Das bedeutet natürlich, dass auch viele "Falschmeldungen" eingehen. Doch das ist nicht schlimm; mitgeschickte Fotos geben manchmal schon Aufschlüsse darüber, ob der Zustand des Vogels nicht auf einer anderen Ursache beruht. Treten im entsprechenden Zeitraum in einer Region plötzlich viele Meldungen kranker oder toter Vögel auf, die nicht andersweitig zu erklären sind, ist dies ein Hinweis für die Forscher, sich dieses Gebiet mal genauer anzusehen. Ohne die Meldungen wäre es ihnen vielleicht entgangen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Sicherheit bieten auch Einsendungen toter Vögel. Was man beim Aufnehmen und Versenden dabei beachten muss, steht beim Meldeformular des NABU sowie auf der &lt;a href="https://www.bnitm.de/aktuelles/fragen-antworten/faq-zum-usutu-virus/"&gt;entsprechenden Seite&lt;/a&gt; des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin.&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Was tun?&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Unglücklicherweise heißt es auf den Info-Seiten des NABU: "Leider kann man Usutu-Infektionen weder verhindern noch behandeln. Es bleibt lediglich die einmalige Chance zu nutzen, die Auswirkungen einer für Deutschland neuen Vogelkrankheit auf wildlebende Vogelarten zu dokumentieren und deren Folgen abzuschätzen. Ziel ist es, neuartige Gefährdungsursachen für Vogelarten mit anderen Bedrohungen wie Klimawandel und Lebensraumverlust vergleichen und beurteilen zu können."&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Doch etwas können wir dennoch tun, um es der Amsel und anderen Vögeln trotz dieser Gefahr etwas leichter zu machen. Als typischer Gartenvogel profitieren sie von umweltfreundlichen Gestaltungen dieses anthropogenen Lebensraumes. Giftfreie, naturnahe Gärten mit vielen Versteckmöglichkeiten und sauberen Trinkstellen können den Stress der Tiere verringern, ihre grundlegende Fitness verbessern und ihr Immunsystem stark halten. Aufhalten lässt sich dieses Virus wohl nicht; wir können keine Impfkampagnen starten und alle Stechmücken auszurotten ist auch keine Lösung. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Was das bedeutet, verstehen wir in den Jahren unserer eigenen Pandemie umso besser. Wählen wir also die Amsel, die Pandemie-Drossel, zum Vogel des Jahres 2021.&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Stimmen wir ab!&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Ab heute ist es möglich,  auf &lt;a href="https://www.vogeldesjahres.de/"&gt;https://www.vogeldesjahres.de/&lt;/a&gt; seinen Favoriten unter den Top 10 zum Vogel des Jahres 2021 zu küren. Alle bis auf zwei habe ich bisher vorgestellt, für jeden gibt es gute Gründe. NABU und LBV haben sich für jeden Kandidaten ein Motto überlegt, die Botschaft, die der Jahresvogel in die Welt tragen darf. Manche davon stimmen mehr oder weniger mit dem überein, was ich mir selbst überlegt habe ("I want Moor" für den Goldregenpfeifer, "Mehr Wiese, weniger Acker" für den Kiebitz, "Schnabel auf für bunte Felder" für die Feldlerche), teilweise scheinen ganz andere Schwerpunkte gewählt worden zu sein ("Laubwälder fördern" für die Blaumeise). Das heißt nicht, dass meine Überlegungen oder die anderer Menschen falsch sind. Wer gerne für naturnahe Gärten stimmen will (Rotkehlchen sagt "Mehr Gartenvielfalt"), dessen Lieblingsvogel aber die Blaumeise ist, der macht nichts falsch, wenn er aus lauter Verwirrung schließlich für die Amsel ("Einfach mal wachsen lassen") oder den Haussperling ("Mehr Oasen in Betonwüsten") stimmt. Und nicht zuletzt ist das Abstimm-Formular bis zum 19. März offen. Es ist also noch genug Zeit zu überlegen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Gut für mich, denn ich habe ja noch zwei Kandidaten vor mir.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
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    </item>
    <item>
      <title>Die Lerche und die Agrarpolitik</title>
      <link>https://diane-kluesener.de/posts/die-lerche-und-die-agrarpolitik</link>
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      <pubDate>Thu, 14 Jan 2021 18:34:39 +0100</pubDate>
      <description>&lt;div class="trix-content"&gt;
  &lt;p&gt;Sommer. Die Sonne brutzelt auf die offene Landschaft nieder, der Himmel wolkenlos blau. Kaum eine Brise, die die trockenen Grashalme bewegt. Die meisten Vögel sitzen im Schatten (wo es ihn gibt), harren aus, bis die Temperaturen wieder etwas sinken, die Flügel leicht vom Körper gespreizt, der Schnabel offen. Doch eine, eine schwingt sich in ungeahnte Höhen, bis sie nur als kleiner, flirrender Punkt zu erkennen ist, aller Hitze zum Trotz trällert sie ihr Lied durch die Luft, über die Wiese, über den Acker, das weite Feld. Nur ein paar kleine grasige Fenster in einer Einöde von Agrarland bieten ihr und ihrem Nachwuchs den Schutz, den sie brauchen. Die Rede ist von der Feldlerche.&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Vogel des Jahres 2019&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Wie jetzt, schon wieder die Feldlerche? War die nicht erst 2019, vor zwei Jahren also, Vogel des Jahres? Haben wir nicht erst etliche "&lt;a href="https://blogs.nabu.de/naturschaetze-retten/nabu-gap-ticker-2019-03-29/"&gt;114-Euro-Scheine&lt;/a&gt;" in Form von Postkarten, u.a. mit der Feldlerche bedruckt, an unsere Abgeordneten geschickt? 114 Euro zahlte zu dem Zeitpunkt jeder EU-Bürger durchschnittlich über Steuergelder für die Gemeinsame Agrar-Politik (GAP) der EU. Auf den Postkarten (oder online) konnte man seinen Abgeordneten vermitteln, in was für eine Art Landwirtschaft man seinen Teil gerne investiert sehen möchte.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das ganze Thema der Zerstörung unserer Naturräume durch eine rücksichtslose, die Ökosysteme nicht beachtende Landwirtschaft hatten wir also schonmal. Zeit, sich etwas anderem zuzuwenden, nicht wahr? Hat sich ja auch sicher einiges getan, es ist schließlich viel öffentlicher Druck entstanden, da reagieren unsere Politiker ja gerne drauf. Oder?&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Die Trägheit des BMEL&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) unter der Leitung von Ministerin Julia Klöckner steht da leider ganz in dem Sinne ihrer Partei: Es läuft konservativ. Und langsam. Was von ihr als "Systemwechsel" in der EU-Agrarpolitik besungen wird, sehen die Umweltverbände als unnützes Auf-der-Stelle-Treten. An ein paar Stellen wurde hier und da geschraubt, damit man zumindest ein wenig Veränderung vorweisen kann. Auf eine &lt;a href="https://www.youtube.com/watch?v=8MjtIouaryc&amp;amp;ab_channel=Jung%26Naiv"&gt;kritische Frage&lt;/a&gt;, warum dieser "Systemwechsel" in der GAP, der die Bestrebungen des Green Deal der EU unterläuft, denn überhaupt noch Geld für nachgewiesenermaßen umweltschädliche Praktiken bereitstellt, erklärt sie nahezu entrüstet, wie schwer die Arbeit der Bauern ja sei (sie habe ja auch mal auf dem Land gearbeitet und kennt sich deswegen gut aus!). Die armen Bauern, die haben es ja schon so schwer, muss man es ihnen denn noch schwerer machen?!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Hmja, also... dass Landwirte einen schweren Job haben, stellt niemand in Frage. Dass man deswegen Praktiken unterstützen sollte, die das gesamte Ökosystem - auf welches die Landwirte angewiesen sind - auf lange Sicht zerstören und die missliche Lage, in der sich viele befinden, verschlimmern könnte, hingegen schon. Ist das Hofsterben nicht eine direkte Folge von Maßnahmen wie Subventionierung nach Fläche? Je größer der Flächenanteil des Betriebs, desto mehr Unterstützung erhält man. Daran hat sich auch nach neuem Entwurf nicht viel getan. Dabei gibt es genug Landwirte, die lieber kleiner statt größer werden wollen. Die Motivationen sind verschieden, manche haben das Tierwohl im Blick. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Auch beim &lt;a href="https://www.riffreporter.de/naturschutz-biodiversitaet-trinkwasser/merkel-macht-insektenschutz-chefsache-schulze-kloeckner/"&gt;Thema Insektenschutz&lt;/a&gt; zeigt sich Klöckner uneinsichtig. Wieso Glyphosat schon verbieten, das ist doch praktisch? Dass das Vorsorgeprinzip, welches in Europa eigentlich Tagesordnung sein sollte, an der Stelle versagt hat, sollte eigentlich nur beschämen. Sicher ist ein Totalherbizid in einer intensivierten Landwirtschaft praktisch. Doch um welchen Preis? Ein wenig mehr konstruktive Kooperation zwischen Umwelt- und Agrarministerium wäre angesichts des Artensterbens und der fortschreitenden Degeneration unserer "Natur" in der Agrarlandschaft wünschenswert.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das Thema ist kompliziert, müßig und macht schlechte Laune, weshalb ich es an der Stelle dabei belassen will. Oft genug habe ich Neuigkeiten dazu in diesem Blog erwähnt (z.B. &lt;a href="/posts/ein-wenig-umweltpolitik"&gt;hier&lt;/a&gt;), sodass ich mir unnötige Wiederholungen spare.&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Und die Feldlerche?&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Vor zwei Jahren (und davor bereits 1998) war die Feldlerche schon einmal Symbolvogel für einen dringend notwendigen Wandel in der Agrarpolitik, trällerte ihre Botschaft in den Himmel. Letztes Jahr ließ sie sich auf ihr Lerchenfenster im Acker nieder, sodass ein anderer Vogel sprechen konnte. Ihr Nachwuchs flog aus, vielleicht versuchte er woanders ebenso sein Glück in der Jungenaufzucht. Doch vergebens. Die Jungen verhungerten, da es in der strukturarmen und mit Pestiziden verseuchten Agrarwüste keine Nahrung gab.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;So möge sich der kleine Vogel noch einmal in die Lüfte heben, noch einmal mit kräftiger Stimme zu jenem Klagelied stimmen, welches doch immer seltener in unsere Ohren dringt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Denn wie viele andere Feldvögel wird die Feldlerche immer seltener. Könnt ihr sie finden?&lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzMxOT9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--96b7801a0c150a35f7d6c8ce61289381a1aa446c" content-type="image/jpeg" filename="DSC_7988.JPG" filesize="400272" width="1190" height="595" previewable="true" caption="Feldlerche"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--JPG"&gt;
    &lt;img alt="Feldlerche" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzE5LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--b1eb261b5d9dbe3f6db70a41f84d2b0a93c15823/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_7988.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Feldlerche&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;
&lt;/div&gt;
</description>
    </item>
    <item>
      <title>Mit dem Goldregenpfeifer gegen den Klimawandel!</title>
      <link>https://diane-kluesener.de/posts/mit-dem-goldregenpfeifer-gegen-den-klimawandel</link>
      <guid>https://diane-kluesener.de/posts/mit-dem-goldregenpfeifer-gegen-den-klimawandel</guid>
      <pubDate>Wed, 13 Jan 2021 14:08:55 +0100</pubDate>
      <description>&lt;div class="trix-content"&gt;
  &lt;p&gt;Den Goldregenpfeifer habe ich bislang nur an einem Ort gesehen: Island. Während einer Wanderung in Snæfellsnes trippelten sie immer wieder über die karge Landschaft, behielten uns gut im Blick. Einen "Abend" (es war um Mittsommer und was man hier Abend nennt, hielt die ganze "Nacht" an), als ich nach einem geschützten Platz für unser Zelt suchte, lief ein Goldregenpfeifer in gewissem Abstand vor mir her und ließ immer wieder einen hohen Pfeifton hören. Ich vermute, dass er in der Umgebung sein Nest hatte und mich weglocken wollte (was zu klappen schien, da ich zufällig in die gleiche Richtung ging, in die er mich "führte"). An der Stelle, wo letzten Endes unser Zelt stand, wurden wir von keinem Vogel mehr "behelligt", störten also wohl zum Glück nicht weiter.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dass es ihn - zumindest im Sommer - auf Island gibt und wie er aussieht, war bis vor Kurzem alles, was ich über den Goldregenpfeifer wusste. Bevor er es in die Top 10 der zum Vogel des Jahres Nominierten schaffte, wusste ich nichtmal, dass er auch in Deutschland vorkommt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Lernen wir also etwas über den Goldregenpfeifer.&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Echter Nordeuropäer&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Auf &lt;a href="https://www.avi-fauna.info/regenpfeiferartige/regenpfeifer/goldregenpfeifer/"&gt;avi-fauna.info&lt;/a&gt; heißt es zum Goldregenpfeifer: "Der Goldregenpfeifer (&lt;em&gt;Pluvialis apricaria&lt;/em&gt;) war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein relativ häufiger Brutvogel der Torfmoore und Heidelandschaften der Norddeutschen Tiefebene. Mit [...] Rückgang der Schafhaltung und dem industriellen Torfabbau gingen die Bestände stark zurück. Mit nur noch 8-11 Brutpaar in Niedersachsens befinden sie sich zurzeit auf einem Minimum. Die Art droht in Deutschland auszusterben." Die Hauptbrutgebiete liegen in Grönland, Island, Schottland, dem Baltikum und dem nördlichen Eurasien. Im &lt;a href="https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/vogel-des-jahres/1975-goldregenpfeifer/index.html"&gt;Steckbrief zum Vogel des Jahres 1975&lt;/a&gt; (ja, er war schon einmal Jahresvogel) heißt es, dass gut die Hälfte des gesamten Brutbestandes auf Island brüte, ein weiteres Viertel in Norwegen. Kein Wunder also, dass wir den einen oder anderen "Goldi" dort oben gesehen haben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;In Norddeutschland kann man den etwa 200.000 Tiere starken skandinavischen Teil zur Zugzeit im &lt;a href="https://www.schutzstation-wattenmeer.de/wissen/tiere/voegel/goldregenpfeifer/"&gt;Wattenmeer beobachten&lt;/a&gt;. Dann trägt er aber nicht sein hübsches Prachtkleid, sondern ist eher unauffällig gelbbraun gefärbt und nicht immer leicht zu erkennen.&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Knackpunkt Lebensraum&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;"Nasse Heiden, moorige Grasflächen und Hochmoore" - dort brütet der Goldregenpfeifer gerne, wenn man ihn lässt. Wichtig ist eine niedrige Vegtationsschicht, denn wie sein Verwandter, der &lt;a href="/posts/der-kiebitz-als-vogel-des-jahres"&gt;Kiebitz&lt;/a&gt;, behält er gerne die Übersicht. Doch naturnahe Nieder- und Hochmoore sind in Deutschland "von vollständiger Vernichtung bedroht" (aus: &lt;a href="https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Naturschutz/rote_liste_pressehandout_bf.pdf"&gt;Rote Liste der gefährdeten Biotoptypen Deutschlands 2017&lt;/a&gt;) und auch nasse oder &lt;a href="https://www.bfn.de/lrt/0316-typ4010.html"&gt;feuchte Heiden&lt;/a&gt; leiden unter der Nutzungsaufgabe dieser alten Kulturlandschaft. Ausgedehnte Moorflächen sind in unserem stark zersiedelten Land bei Weitem nicht mehr so häufig wie sie wohl einst waren; dort, wo es sie gibt, hilft es sicherlich nicht, sie in trockenen Jahren in Brand zu setzen, &lt;a href="https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-09/niedersachsen-meppen-moorbrand-bundeswehr-brand"&gt;wie 2018 versehentlich geschehen&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Der Goldregenpfeifer lenkt die Aufmerksamkeit also ganz automatisch auf den Lebensraum seiner bevorzugten Brutgebiete, die in Deutschland in einer ganz misslichen Lage sind. Heidelandschaften bieten eine Zuflucht für viele besondere Arten, die nur durch den Einfluss des Menschen eine reale Chance aufs Überleben haben. Das klingt paradox, aber ausgedehnte Heiden sind ein menschengemachter Lebensraum, Resultat jahrhundertealter Weidetradition. Gemeint also ist nicht die ständige Präsenz des Menschen - wer in Heide oder Moor die Wege, soweit vorhanden, zu weit verlässt, stört. Vielmehr ist es der anthropogene Einfluss in Form von Beweidung, die in einem Gebiet nicht ganzjährig stattfinden muss (sodass Vögel in Ruhe brüten können) und dafür sorgt, dass aus einer offenen, strukturreichen Landschaft nicht dichtes Gebüsch und Wald wird.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Kulturnutzung der Moore hingegen hat tiefgreifende Schäden hinterlassen und tut dies noch immer, wo vorhanden. Trockenlegung zur Gewinnung von Grünland und Ackerflächen sowie Torfstich zur Brennstoffgewinnung zerstören diesen Lebensraum nachhaltig. Heute wird Torf auch zur Herstellung von Pflanzenerde für den Gärtnereibedarf abgebaut, &lt;a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/kein-torf-in-den-topf"&gt;mit Folgen für Umwelt und Klima&lt;/a&gt;. Zum Glück kann der Heimgärtner, wenn er diesen Raubbau nicht unterstützen will, auch auf torffreie Gartenerde zurückgreifen. Oder selber kompostieren.&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Mit dem Goldregenpfeifer für den Moorschutz!&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Moore zu erhalten, degenerierte Moore wieder zu vernässen - das sind &lt;a href="https://www.spektrum.de/news/wie-torf-und-moore-den-planeten-vor-dem-klimawandel-schuetzen-koennten/1706046"&gt;konstruktive Maßnahmen zur Verlangsamung des Klimawandels&lt;/a&gt;. Denn Torf ist ein ausgezeichneter CO2-Speicher, besteht er doch vor allem aus pflanzlichem Material, was im dauernassen Zustand nicht zersetzt wird. Sobald Moore aber trocken fallen, kommen bodenbildende Prozesse in Gang, der Torf wird langsam zu Humus ungewandelt und dabei werden Treibhausgase freigesetzt. Möge uns der Goldregenpfeifer trotz all unserer Covid-19-Sorgen im Jahr 2021 daran erinnern, dass diese eine andere große Katastrophe, der menschengemachte Klimawandel, unser Leben noch immer bedroht. Schützen wir den Lebensraum des Goldregenpfeifers, gegen den Klimawandel!&lt;/p&gt;

&lt;hr&gt;

&lt;p&gt;Auf dem Titelbild zur diesem Blogpost ist übrigens ein Goldregenpfeifer zu sehen, wie er sich uns vom Wanderweg aus auf Island präsentierte. Allerdings ist er etwas schwer zu finden, deswegen hier eine kleine Hilfestellung:&lt;/p&gt;

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    &lt;img alt="Goldregenpfeifer_Island" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzE3LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--2740027d83c64e4aac1674c1d80abdae4d4c7e9d/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/Goldregenpfeifer_pfeil.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Goldregenpfeifer_Island&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;
&lt;/div&gt;
</description>
    </item>
    <item>
      <title>Die Blaumeise: Pandemie-Meise des Jahres.</title>
      <link>https://diane-kluesener.de/posts/die-blaumeise-pandemie-meise-des-jahres</link>
      <guid>https://diane-kluesener.de/posts/die-blaumeise-pandemie-meise-des-jahres</guid>
      <pubDate>Tue, 12 Jan 2021 15:16:42 +0100</pubDate>
      <description>&lt;div class="trix-content"&gt;
  &lt;p&gt;Die Blaumeise (&lt;em&gt;Cyanistes caeruleus&lt;/em&gt;) ist der erste Vogel aus unserer Liste, der zuvor noch nie zum Vogel des Jahres gewählt worden ist. Dieser blau-gelbe "Standard-Gartenvogel", der einem an den Ästen turnend sein niedliches "Zizi-Bah" entgegenschimpft, dürfte den meisten Menschen wohl bekannt sein. Mit ihrem spitzen Schnabel ist die Blaumeise gut auf das Absammeln kleinerer Insekten angepasst. Das macht sie übrigens zum "Nützling" für alle, die z.B. Obstbäume in ihrem Garten haben, da der "Schädlings"-Druck durch Insekten von der fleißigen Blaumeise in Zaum gehalten wird. Natürlicherweise brütet sie in Baumhöhlen; da solche aufgund der Altersstruktur vieler heutiger Wälder sowie der übermäßigen Hygiene in Wirtschaftswäldern nicht mehr so häufig sind wie früher und weil die Blaumeise sich in Siedlungen mit strukturreichen Gärten durchaus wohl fühlt, nimmt sie gerne Nistkästen an. &lt;/p&gt;

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    &lt;img alt="Blaumeisi" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzEzLCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--c0bbe9447cbdf3bc0847888e97c10e3276561afe/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_5317.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Blaumeisi&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;h3&gt;Meisen füttern - aber richtig&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Gerade in diesen Siedlungsräumen wird das natürliche Futter aber zunehmend knapp. Das Problem ist auch hier unter anderem zu große Hygiene in den Gärten oder der Einsatz von Insektengiften. Vermehrte Trockenperioden sorgen für einen Mangel an Wasserstellen. Umso lieber finden sich die Tiere an künstlichen Futterstellen mit z.B. Meisenknödeln und an Vogeltränken ein. An dieser Stelle sei aber gesagt, dass eine solche Gartenvogel-Fütterung - richtig gemacht - zwar eine gute Unterstützung für die Piepmätze darstellt, die natürlichen Nahrungsquellen jedoch in keinster Weise ersetzen kann. Eine Vielfalt an Insekten, Spinnen und anderem "Ungeziefer" kann ein einfacher Meisenknödel mit ein paar Mehlwürmern niemals ersetzen; die beste (ganzjährige!) Vogelfütterung stellt die Schaffung eines strukturreichen Gartens mit vielen natürlichen (und am besten heimischen) Nahrungsquellen dar. Die beste Art, eine Vielfalt an heimischen Insekten und somit die süßen Blaumeisen zu fördern, ist die bewusste Anpflanzung - oder das bewusste Stehenlassen - heimischer Pflanzenarten.&lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzMxND9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--ee2dab56973c2658854901c21fc425db9c2e2df7" content-type="image/jpeg" filename="DSC_5265.JPG" filesize="158115" width="1190" height="595" previewable="true" caption="Blaumeisi"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--JPG"&gt;
    &lt;img alt="Blaumeisi" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzE0LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--ef5805ca7ff6f4665d6ff530eb12895dd5f767b1/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_5265.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Blaumeisi&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;p&gt;Und obwohl das Wort "Hygiene" hier bislang im eher negativen Kontext benutzt wurde, ist eine gute, also positive, Hygiene an den Futter- und Trinkstellen das A und O, wenn es darum geht, die Vögel gesund zu halten. Denn wo viele verschiedene Tiere zusammenkommen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Krankheitserreger übertragen werden. Vögel kümmern sich nicht darum, ob an anderer Vogel an der Futter- oder Wasserstelle vorher gekotet hat - wenn daneben leckere Körnchen liegen, wird dennoch gepickt. Regelmäßiges Reinigen der Futterhäuser und Vogeltränken ist sehr wichtig. Etwas einfacher hat man es, wenn man für das Füttern von Körnern z.B. Futtersäulen benutzt. An ihnen ist die Verschmutzungsgefahr viel geringer als am klasschen Futterhaus. Auch den Futterstandort selbst gelegentlich zu variieren, kann helfen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Was schief gehen kann, ist dem aufmerksamen Blaumeisen-Freund letztes Frühjahr vor Augen geführt worden.&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Das Blaumeisensterben 2020&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Vermehrt gingen beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) Meldungen über tote, abgemagerte oder anderweitig irgendwie "kranke" Blaumeisen ein. Auch andere Meisenarten sowie Schwanzmeisen (die trotz des Namens nicht zu den eigentlichen Meisen gehören) waren betroffen, der Großteil der Meldungen bezog sich aber auf die Blaumeise. Es stellte sich heraus, dass eine Lungenentzündung die Tiere dahinraffte. Übertragungen durch Aerosole an überfüllten Futterstellen und Tränken - gerade letztere werden in dem warnen und trockenen Frühjahr gut besucht gewesen sein - verschärften die Lage. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;In einem &lt;a href="https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/gefaehrdungen/krankheiten/suttonella/28020.html"&gt;Übersichtsartikel&lt;/a&gt; zu dem Thema deckt der NABU den Verantwortlichen auf: Das Bakterium &lt;em&gt;Suttonella ornithocola&lt;/em&gt;. Bekannt ist es seit 1996, 2005 wurde es als eigene Art bekannt und beschrieben. In England sorgte es immer ieder für kleinere Krankheitsausbrüche. Der erste Nachweis in Deutschland geschah 2018, seitdem gab es immer wieder kleinere Ausbrüche. Das Massen-Meisensterben im Frühjahr 2020 kam komplett unerwartet. Dabei handelte es sich mitnichten um ein lokales Problem, Luxemburg und Belgien waren ebenso betroffen. Es handelte sich also um eine regelrechte Pandemie.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Lungenentzündung, Aerosole, Pandemie, Frühjahr 2020 - kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wählen wir, angesichts unserer eigenen Pandemie und angesichts der Tatsache, dass neue, unerwartete Krankheiten uns und andere Tiere immer wieder heimsuchen werden, aus Solidarität die Pandemie-Meise &lt;em&gt;Cyanistes caeruleus&lt;/em&gt; zum Vogel des Jahres 2021! (Und sehen zu, dass die Futter- und Trinkstellen sauber bleiben...)&lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzMxNT9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--e5112cef972e5b400b6edccf8a7ff84ff376b07c" content-type="image/jpeg" filename="DSC_5300.JPG" filesize="220591" width="1190" height="595" previewable="true" caption="Blaumeisi"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--JPG"&gt;
    &lt;img alt="Blaumeisi" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzE1LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--8709632717eaead0da57e8c96bc58132410dbf0e/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_5300.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Blaumeisi&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;
&lt;/div&gt;
</description>
    </item>
    <item>
      <title>Eisvogel, Auenvogel, Jahresvogel?</title>
      <link>https://diane-kluesener.de/posts/eisvogel-auenvogel-jahresvogel</link>
      <guid>https://diane-kluesener.de/posts/eisvogel-auenvogel-jahresvogel</guid>
      <pubDate>Mon, 11 Jan 2021 14:18:53 +0100</pubDate>
      <description>&lt;div class="trix-content"&gt;
  &lt;p&gt;Der Eisvogel (&lt;em&gt;Alcedo atthis&lt;/em&gt;) liebt naturnahe Fließgewässer mit schönen Abbruchkanten an den Prallhängen, in die er seine Niströhre bauen kann und in denen er viel Nahrung findet. Befindet man sich an einem solchen Gewässer und bringt ein wenig Geduld und Ruhe mit, kann man mit etwas Glück den kleinen blau-orangen Vogel mit seinem langen Schnabel zu Gesicht kriegen. Meinen ersten Eisvogel sah ich von einem kleinen Kanu aus, auf der Ruhr bei Witten. Als ich, Jahre später, an einer anderen Stelle desselben Flusses Uferschwalben beobachten durfte, saß auch ein Eisvogel am gegenüberliegenden Ufer. Das war wohl die längste Begegnung, die ich mit dem hübschen Tier hatte. Ich sah und hörte ihn noch weitere Male, zum Beispiel an schön gelegenen größeren Bächlein in Dänemark, wo ich mich für eine Pause auf die Brücken setzte. Nach einer Weile zischte der Eisvogel mit einem lauten Pfiff über das Wasser und unter meiner Brücke her.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;In Schleswig-Holstein ist der Erhaltungszustand des Eisvogels derzeit günstig (&lt;a href="https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/A/artenschutz/Downloads/rl_voegel_2010_pdf.pdf?__blob=publicationFile&amp;amp;v=1"&gt;Rote Liste 2010&lt;/a&gt;), Deutschlandweit gilt er jedoch als gefährdet (Stufe 3).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Um den Eisvogel effektiv zu schützen, ist es vor allem wichtig, seinen Lebensraum zu erhalten. Da er quasi DER Symbolvogel für lebendige Flüsse und Auen ist, wurde er für 2009 schon einmal zum Vogel des Jahres. Aber wie steht es denn um diesen Lebensraum?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Auf der "Roten Liste gefährdeter Biotoptypen" (&lt;a href="https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Naturschutz/rote_liste_pressehandout_bf.pdf"&gt;Link zur Presseinformation&lt;/a&gt;) befinden sich "natürliche und naturnahe Fließgewässer" im roten Bereich, gelten als "von vollständiger Vernichtung bedroht". "Fließgewässerbegleitende Erlen- und Eschenwälder" sind "stark gefährdet".&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Die EU-WRRL&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Da wird man doch stutzig. Sollten denn nicht mithilfe der &lt;a href="https://www.bmu.de/themen/wasser-abfall-boden/binnengewaesser/gewaesserschutzpolitik/deutschland/umsetzung-der-wrrl-in-deutschland/"&gt;EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)&lt;/a&gt; die oberirdischen Gewässer Europas bis 2015 (!) in einen "guten ökologischen und chemischen Zustand" gebracht werden? Bei "erheblich veränderten oder künstlichen Gewässern" sollte bis 2015 immerhin ein "gutes ökologisches Potenzial" erreicht werden. Mittlerweile ist die Frist bis 2027 verlängert worden. Gemäß einer &lt;a href="https://www.gewaesser-bewertung.de/files/170829_uba_fachbroschure_wasse_rwirtschaft_mit_anderung_bf.pdf"&gt;Veröffentlichung des UBA von 2017&lt;/a&gt; sind aber lediglich "9 % der Fließstrecke der natürlichen Flüsse und Bäche [...] in einem guten oder sehr guten ökologischen Zustand". Weiter heißt es: "Abzusehen ist schon heute, dass bis [...] 2027 nicht alle Gewässer in einem guten Zustand nach WRRL sein werden." Haben sich die Staaten da mal wieder Ziele gesetzt, die sie ohnehin nicht erreichen können? Wo bleibt da die Motivation, sich wirklich anzustrengen, wenn der negative Ausgang doch ohnehin schon anzusehen ist?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Fairerweise sollte erwähnt werden, dass es ein immenser bürokratischer Aufwand ist, all die Gewässer der Europäischen Union aufzunehmen, Messstellen einzurichten, anhand vieler verschiedener Kriterien zu bewerten und weitere Untersuchungen durchzuführen - plus gegebenenfalls Verbesserungen zum Beispiel in Form von Renaturierungen, die eine komplette Umgestaltung eines Bachbettes bedeuten können. Und das stellenweise über Staatengrenzen hinweg koordiniert. Hindert uns eine Überbürokratisierung der Europäischen Länder daran, unsere aquatischen Lebensräume zu verbessern? Wie viele Eisvögel könnten durch wie viele Auen flitzen? &lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Bundesprogramm Blaues Band&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Immerhin sind die durch die WRRL gegebenen Verpflichtungen nicht das Einzige, was zumindest Deutschland zu weiteren Bemühungen im Fließgewässer- und Auenschutz antreibt. 2017 wurde das &lt;a href="https://www.bmu.de/themen/wasser-abfall-boden/binnengewaesser/fluesse-und-seen/blaues-band/"&gt;Bundesprogramm "Blaues Band"&lt;/a&gt; ins Leben gerufen. Ansage ist eine verstärkte Investition "in die Renaturierung von Bundeswasserstraßen" und das Setzen "neue[r] Akzente in Natur- und Gewässerschutz, Hochwasservorsorge sowie Wassertourismus, Freizeitsport und Erholung". Man will "durch Renaturierungsmaßnahmen an Bundeswasserstraßen einen Biotopverbund von nationaler Bedeutung" schaffen. Die "Flusslandschaften sollen wieder als Ganzes betrachtet, also nicht in Gewässerlauf, Ufer und Auen unterteilt werden. Damit wird die Gewässer- und Auenentwicklung in Deutschland einen neuen Qualitätsschub erhalten." Zwei Jahre später wurde zusätzlich das "&lt;a href="https://www.bmu.de/pressemitteilung/neues-foerderprogramm-zur-auenrenaturierung-fuer-ein-blaues-band-durch-deutschland/"&gt;Förderprogramm Auen&lt;/a&gt;" ins Leben gerufen, welches sich in erster Linie an Naturschutz- und Umweltverbände, Landkreise und Kommunen richtet. Gibt es Hoffnung für den Lebensraum des Eisvogels?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Gut zwanzig Jahre ist her, seit die Wasserrahmenrichtlinie in Kraft trat. Die ambitionierten Ziele sind weit verfehlt worden. Obwohl es viele weitere Projekte zur Verbesserung von Fließgewässern und Auen gibt (die hier vorgestellten sind nur Beispiele aus großpolitischer Ebene), scheint der Weg lang und träge.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wird der Eisvogel Vogel des Jahres, so könnte er für die Trägheit der Politik angesichts der Degeneration wertvoller Ökosysteme stehen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
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    </item>
    <item>
      <title>Wählt den Haussperling!</title>
      <link>https://diane-kluesener.de/posts/wahlt-den-haussperling</link>
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      <pubDate>Sun, 10 Jan 2021 18:11:05 +0100</pubDate>
      <description>&lt;div class="trix-content"&gt;
  &lt;p&gt;Den Haussperling - auch bekannt unter dem Namen "Spatz" - will man sicher nicht neben seinem Schlafzimmerfenster wohnen haben. Denn dieser kleine Kerl wohnt nicht alleine, sondern in Kolonien. Und diese sind gesprächig - im Frühjahr und Frühsommer gerne auch schon früh morgens. Dabei nehmen sie keine Handschwinge vor den Schnabel, sondern verkünden mit lautem "Tschöp", was sie gerade denken. Durchgehend. Außer, eine vermeintliche Gefahr droht, dann ist die ganze Kolonie mit einem Mal mucksmäuschenstill. Bis der Erste wieder laut denkt. Dann denken alle laut mit.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Sperlinge sind typische Körnerfresser, das erkennt man gut an ihren kräftigen Schnäbeln.  Aber auch vor Insekten machen sie nicht Halt. Keine Bauernhofidylle ohne Spatzenschwärme in den Hecken und im Heu, die lautstark nach etwas Fressbarem suchen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Im ländlichen Schleswig-Holstein gelten sowohl der Haussperling (&lt;em&gt;Passer domesticus&lt;/em&gt;) als auch seine Schwesterart, der Feldsperling (&lt;em&gt;P. montanus&lt;/em&gt;), als nicht gefährdet. Deutschlandweit stehen beide jedoch auf der Vorwarnliste. (Quelle: &lt;a href="https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/A/artenschutz/Downloads/rl_voegel_2010_pdf.pdf?__blob=publicationFile&amp;amp;v=1"&gt;Rote Liste der Brutvögel Schleswig Holsteins, 2010&lt;/a&gt;)&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Spatzen sind wirklich Allerweltsvögel, so ziemlich jeder Mensch hierzulande dürfte ihnen schon begegnet sein - sei es auf dem Land oder im Biergarten. Als Kulturfolger fühlen sie sich in Menschennähe wohl und nehmen gerne Nistkästen an, um noch mehr Spatzen zu produzieren (die unter den Jungpflanzen im Gemüsebeet übrigens regelrechte Verwüstungen anstellen können). Weil die Bestände dennoch rückläufig wurden - vielleicht, weil auf Bauernhöfen kaum noch ein Körnchen daneben fällt und die Nahrung in Form von Insekten ebenfalls abnimmt? - wurde der &lt;a href="https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/vogel-des-jahres/2002-spatz/index.html"&gt;Haussperling 2002&lt;/a&gt; schon einmal zum Vogel des Jahres gewählt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wenn wir 2021 wieder den Haussperling als Vogel des Jahres wählen, so soll er für das langsame Sterben des Selbstverständlichen, den langsamen Tod der Biodiversität vor unserer Haustür stehen. Wenn die Spatzen verstummen, freuen sich manche vielleicht über ein wenig längeren Schlaf. Doch nicht Freude ist es, die man in dieser neuen Stille spüren sollte. Nein: Dunkle Vorahnung und Angst, weil die Ökosysteme vor unserer Haustür irgendwann zusammenbrechen könnten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Tschöp.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
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    </item>
    <item>
      <title>Der Kiebitz als Vogel des Jahres?</title>
      <link>https://diane-kluesener.de/posts/der-kiebitz-als-vogel-des-jahres</link>
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      <pubDate>Sat, 09 Jan 2021 13:27:28 +0100</pubDate>
      <description>&lt;div class="trix-content"&gt;
  &lt;p&gt;Die Straße, in der ich meine Kindheit verbrachte, heißt "Auf dem Kiwitt". Warum erwähne ich das? Gemäß &lt;a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kiwitt"&gt;Wikipedia&lt;/a&gt; (07.01.2021) ist "Kiwitt" die plattdeutsche Aussprache des Kiebitz. Auch der Kiebitz ist zum Vogel des Jahres 2021 nominiert.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Der hübsche Vogel, auf Englisch passend "lapwing" genannt, fällt zur Balz mit seinen amüsanten Tönen und dem fast schon tollkühn-betrunken wirkenden Taumelflug auf. Besonders gut beobachten kann man das auf brachliegenden Äckern oder Wiesen. Diese benötigt der Bodenbrüter auch für seine Gelege. Durch zu frühes und häufiges Mähen werden die Nester, leider auch schon geschlüpfte Jungvögel, einfach gemulcht; häufiges Pflügen und neu Bestellen der Felder führt zu einem Mangel an offenem Brachland. Die Vögel behalten gerne die Übersicht, aber ein klein wenig Deckung in Form von Gräsern und anderen Wildpflanzen darf es schon sein. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Äcker und Wiesen bewohnt er jedoch aus der Not gedrungen; urspünglich bevorzugt er sogenanntes Feuchtgrünland, also Wiesen und Weiden, die regelmäßig überflutet werden. Solche Lebensräume sind in unserem Land selten geworden, stattdessen ist unsere Agrarlandschaft geprägt von Entwässerungsgräben, die Flussufer sind zumeist begradigt und befestigt. In der "&lt;a href="https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Naturschutz/rote_liste_pressehandout_bf.pdf"&gt;Roten Liste gefährdeter Biotoptypen&lt;/a&gt;" (Stand 2017) werden 78% der eher feuchten Grünlandbiotope als "gefährdet" eingestuft. Im Steckbrief zum "&lt;a href="https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/vogel-des-jahres/1996-kiebitz/index.html"&gt;Vogel des Jahres 1996&lt;/a&gt;" (der Kiebitz war damals schon einmal Jahresvogel) schreibt der NABU zur Gefährdung des Kiebitz:&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;"Der Kiebitz wurde aus seinem ursprünglichen Lebensraum vertrieben. Hauptfaktoren hierfür sind Entwässerung, Grundwasserabsenkung, frühe Wiesenmahd, industrieller Torfabbau, Aufforstung von Mooren sowie landwirtschaftliche Arbeiten. Zu weiteren Gefährdungsursachen zählen Störungen der Brutgebiete durch intensive Freizeitnutzung, sowie in manchen Ländern auch immer noch die direkte Verfolgung durch Jagd und durch Eiersammler."&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;In der &lt;a href="https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/A/artenschutz/Downloads/rl_voegel_2010_pdf.pdf?__blob=publicationFile&amp;amp;v=1"&gt;Roten Liste Schleswig-Holstein&lt;/a&gt; (Stand 2010) gilt der Kiebitz als "gefährdet" (Stufe 3), auf der Roten Liste Deutschlands (Stand 2007) wird er als "stark gefährdet" eingestuft. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Zum Glück gibt es hier und da Naturschutzprojekte, die es dem Kiebitz leichter machen sollen. Im Vogelschutzgebiet "&lt;a href="http://www.umweltdaten.landsh.de/nuis/upool/gesamt/bis_faltblaetter/1823_402_haaler_au.pdf"&gt;Haaler Au&lt;/a&gt;" beispielsweise kooperieren Land und Landwirte seit 2011 zugunsten der Wiesenvögel. Dabei passen sich die Landwirte den Bedürfnissen der Vögel an; die wirtschaftlichen Verluste werden vom Land ausgeglichen. im Jahr 2011 brüteten sage und schreibe 49 Kiebitzpaare in dem Gebiet. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Andererorts erhalten die Tiere gerne mal schlechte Presse, wenn auf Grundlage des Bundesnaturschutzgesetzes der Fernverkehr nicht über eine Umgehungsstraße umgeleitet werden kann, weil an dem für die Straße geplanten Stück einige Kiebitze ihre Heimat-Äcker besitzen. Konflikte zwischen Mensch und Tier stehen da an der Tagesordnung.&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Der Kiebitz als Vogel des Jahres 2021?&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Wenn wir den Kiebitz 25 Jahre später erneut Vogel des Jahres werden lassen, möge er Botschafter sein gegen die Zerschneidung unserer Landschaft durch ein immer dichteres Straßennetz, gegen die Ausbeutung von Grünlandflächen (zur Produktion der im Vergleich zu Heu nährstoffhaltigeren Silage werden Felder bis zu 5 Mal im Jahr gemäht!) und für Erhalt, Schutz und, wo möglich, Renaturierung von Feuchtgrünland. Letzteres stellt übrigens auch eine gute Vorbereitung unserer Zukunft mit dem Klimawandel dar. Starkregenereignisse werden häufiger werden; ausgedehnte Flussniederungen mit Feuchtwiesen fangen einen guten Teil der durch das Flussbett strömenden Wassermassen auf, Überschwemmungsschäden flussabwärts - beispielsweise in malerischen Dörfern nahe des Flusses - würde so entgegen gewirkt.&lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzMwOT9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--b5d14172b54e0d0984738bd9fd8e5743b07bd0de" content-type="image/jpeg" filename="DSC_8045.JPG" filesize="164498" width="1190" height="595" previewable="true" caption="Kiebitz_Oland"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--JPG"&gt;
    &lt;img alt="Kiebitz_Oland" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzA5LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--25fee894a9aaf2cbea3d500c89ada87dc59c140e/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_8045.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Kiebitz_Oland&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;
&lt;/div&gt;
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    </item>
    <item>
      <title>Der Vogel des Jahres - die Rauchschwalbe?</title>
      <link>https://diane-kluesener.de/posts/der-vogel-des-jahres-die-rauchschwalbe</link>
      <guid>https://diane-kluesener.de/posts/der-vogel-des-jahres-die-rauchschwalbe</guid>
      <pubDate>Fri, 08 Jan 2021 13:43:52 +0100</pubDate>
      <description>&lt;div class="trix-content"&gt;
  &lt;p&gt;"Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer" - den Spruch kennen so manche. Dahinter steckt die Tatsache, dass Schwalben Zugvögel sind, die erst zum Sommer wieder hier in ihren Brutgebieten ankommen. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;In der Liste der potentiellen "Jahresvögel" hat es die Rauchschwalbe auf Platz zehn geschafft - von über 300 in Deutschland brütenden Vögeln. &lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Wofür steht die Rauchschwalbe?&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Ohne vorher groß zu recherchieren, denke ich an Sommer, an Bauernhöfe und Scheunen, wo die wendigen Flugakrobaten ihre Nester an die Wände schmieren. Das Material sammeln sie aus Lehmkuhlen und Pfützen-Rändern. Sausen sie nicht gerade nach Insekten jagend über die Wiesen und Felder, sitzen sie gerne perlschnurartig auf Telefon- oder Stromkabeln und erfüllen die warme Luft mit ihrem heiteren Zwitschern. Die Rauchschwalbe symbolisiert - zumindest für mich - also den traditionellen ländlichen Raum mit offenen Ställen und einem reichen Nahrungsangebot für unsere rostkehligen und gabelschwänzigen Flatterfreunde.&lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzMwNT9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--05c70d72c7c6b69a99e8365aeb9baa994f7a1385" content-type="image/jpeg" filename="DSC_1833.JPG" filesize="203309" width="1190" height="793" previewable="true" caption="Rauchschwalbe"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--JPG"&gt;
    &lt;img alt="Rauchschwalbe" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzA1LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--221855c794125787c0aca7634cdfe75e56def1d3/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_1833.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Rauchschwalbe&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;h3&gt;Wie steht es um die Rauchschwalbe?&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Hierzulande (SH) ist ihr Erhaltungszustand noch günstig, sie gilt als &lt;a href="https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/A/artenschutz/Downloads/rl_voegel_2010_pdf.pdf?blob=publicationFile&amp;amp;v=1"&gt;nicht bedroht&lt;/a&gt;, betrachtet man ganz Deutschland, steht sie auf der Vorwarnliste. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) schreibt zu den &lt;a href="https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/vogel-des-jahres/1979-rauchschwalbe/index.html"&gt;Gefährdungen der Rauchschwalbe&lt;/a&gt;: "Größere Bestandsfluktuationen sind bei Rauchschwalben nicht selten, da sie auch immer wieder von Witterungsbedingungen stärker beeinträchtigt werden. Dennoch zeichnet sich besonders im landwirtschaftlich stärker entwickelten Westen Europas seit vielen Jahren ein schleichender Rückgang ab. Dieser ist in erster Linie auf zunehmenden Nistplatz- und Nahrungsverlust zurückzuführen. Dörfliche Strukturen gehen immer mehr verloren, kleinbäuerliche Betriebe geben auf. Hinzu kommt die Versiegelung der Landschaft, bei der sich besonders das Asphaltieren von Feldwegen negativ auswirkt, da hierdurch die für den Nestbau notwendigen Lehmpfützen fehlen. Regelmäßige Verluste durch direkte Verfolgung sind außerdem aus manchen afrikanischen Winterquartieren bekannt. In Deutschland musste die Rauchschwalbe aufgrund dieser Entwicklung in die Vorwarnliste der Roten Liste gefährdeter Brutvögel aufgenommen werden."&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Klar ist es nicht so super, wenn die geschwätzigen Tiere ausgerechnet im Carport ihr Nest bauen und der Kot von Alt- und Jungvögeln dann das schöne Auto verschmutzt. Doch die Tiere haben schlichtweg Wohnungsnot. Jeder Städter dürfte wissen, wie schwer es ist, einen geeigneten Kita-Platz zu bekommen. Den Schwalben mit ihren Kindern geht es nicht viel anders, nur müssen diese ihre "Kita" noch selbst bauen - "Baumärkte" mit dem passenden Material (=Pfützen und Teiche mit Schlammufern) gibt es aber kaum noch und auf eine gescheite Betreuung können sich die Eltern schon gar nicht verlassen, das müssen sie selbst übernehmen. Die Aufzucht der Jungen ist so aufwendig, dass bald beide Eltern "arbeiten" (=Insekten jagen) müssen, um die Familie zu versorgen. Der Arbeitsmarkt ist jedoch auch nicht das, was er mal war (Stichwort: Insektensterben, intensivierte Landwirtschaft). Ja, man hat es nicht leicht, wenn man aus Afrika nach Europa einreist und dann einfach nur ein stinknormales Familienleben führen will. Idealerweise steht noch die Hütte vom letzten Jahr, wenn nicht irgendein schimpfendes Säugetier der Gattung Homo aufgrund abiträrer Besitzansprüche einfach alles abgerissen hat (das Zerstören von Schwalbennestern ist gesetzlich verboten, da die Vögel geschützt sind). &lt;/p&gt;

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    &lt;img alt="Rauchschwalbe" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzA2LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--b279055496fd3ebce2c99fbe38811839a510faf8/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_2782.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Rauchschwalbe&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;p&gt;Statt den wütenden Affen raushängen zu lassen, könnte es sich lohnen, einfach ein Kotbrett in passendem Abstand unter das Nest im Carport zu hängen. Als "Dank" futtern einem die Tiere noch ein paar "lästige" Insekten weg. Wer zusätzlich noch ein paar Fledermauskästen aufhängt, braucht sich um Mückenstiche kaum noch Sorgen zu machen!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wer Schwalben schon mag und sie ans eigene Haus locken will, für den hat der NABU einige &lt;a href="https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/schwalbenfreundliches-haus/22147.html"&gt;nützliche Tipps&lt;/a&gt; zusammengestellt. Wichtig ist dabei, dass es in der Umgebung schon Schwalben gibt, die ihr neues Heim auch finden können. Um derartige Bemühungen zu belohnen, hat der NABU das Projekt "&lt;a href="https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/schwalbenfreundliches-haus/22141.html"&gt;Schwalbenfreundliches Haus&lt;/a&gt;" ins Leben gerufen. Wer sich bewirbt, erhält mit etwas Glück eine Urkunde und eine schöne Plakette, die sein/ihr Heim auch nach außen als "schwalbenfreundlich" kennzeichnet.&lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzMwNz9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--65bcb25284bb985e82f57beac0899a5e0d369d18" content-type="image/jpeg" filename="DSC_2726.JPG" filesize="284431" width="1190" height="795" previewable="true" caption="Rauchschwalbe"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--JPG"&gt;
    &lt;img alt="Rauchschwalbe" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzA3LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--699704f7ab84f5c0ac3b04d31249e12c2b98e5de/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_2726.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Rauchschwalbe&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;h3&gt;Warum sollte die Rauchschwalbe Vogel des Jahres 2021 werden?&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Zuletzt war die Rauchschwalbe &lt;a href="https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/vogel-des-jahres/1979-rauchschwalbe/index.html"&gt;1979 Vogel des Jahres&lt;/a&gt;. Die Intensivierung der Landwirtschaft hat den Tierchen schon damals zu schaffen gemacht. Heute sind die Themen nicht anders. Kleine Landwirtschaftsbetriebe sterben aus, die Ställe sind modernisiert, an Fassaden wird der Schwalbenkot - bzw. werden seine Verursacher - nur selten toleriert. Zwar gibt es auch im Landhandel und in naturfreundlichen Onlineshops Nisthilfen für Schwalben zu kaufen und jedes durch ein Planvorhaben zerstörte Nest muss kompensiert, Ersatznester geschaffen werden. Doch die Grundproblematik bleibt. Glyphosat in der Landschaft, trockene Böden durch den Klimawandel, Insektensterben - den Schwalben fehlen die Bau- und Nahrungsgrundlagen. Durch den Erhalt kleinbäuerlicher Strukturen, durch Weideviehhaltung mit ihren Tränken, durch die Schaffung einer vielseitigen Landschaft geht es nicht nur den Rauchschwalben gut. Es profitiert auch die Region. Es wäre ein Baustein zur Verlangsamung des Klimawandels. Die Rauchschwalbe steht auch für ein wenig mehr Lebensqualität statt "Lebensquantität".&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
</description>
    </item>
    <item>
      <title>Die Blumen unserer Kindheit</title>
      <link>https://diane-kluesener.de/posts/die-blumen-unserer-kindheit</link>
      <guid>https://diane-kluesener.de/posts/die-blumen-unserer-kindheit</guid>
      <pubDate>Thu, 24 Dec 2020 13:43:37 +0100</pubDate>
      <description>&lt;div class="trix-content"&gt;
  &lt;p&gt;Es ist wieder harter Lockdown und die schlechten Nachrichten bleiben nicht aus. Wird die Corona-Pandemie auch so manche Meeressäuger-Population dahinraffen? &lt;a href="http://www.spektrum.de/news/bedroht-corona-auch-wale-und-robben/1804925"&gt;Möglich, aber unwahrscheinlich&lt;/a&gt;. Immerhin.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wenn von Artensterben die Rede ist, denken viele erstmal an Tiere: An Nashörner oder an Eisbären, die vorm Aussterben bedroht sind, oder an Fledermäuse, Schweinswale und natürlich an Insekten. Wie aber sieht es mit den Pflanzen aus? Wie ist es z.B. um die deutsche Flora bestellt? - Antworten zu dieser Frage liefert &lt;a href="https://www.riffreporter.de/naturschutz-biodiversitaet-trinkwasser/pflanzen-vielfalt-deutschland-nimmt-ab-studie/"&gt;eine Studie&lt;/a&gt;, in welcher Daten aus fast 60 Jahren zusammengetragen und ausgewertet wurden. Der Link geht zu einem Interview der RiffReporter mit einem an der Studie beteiligten Biologen. Es geht unter anderem um die Bestandsentwicklung eher häufiger Pflanzenarten, die Ursachen dieser Entwicklung und welche Chancen Neophyten mit sich bringen können.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es heißt, die Menschen ließen sich erst dann für das globale Artensterben erfolgreich sensibilisieren, wenn das Thema sie nicht nur auf kognitiver, sondern auf emotionaler Ebene erreicht. Dazu ein Zitat aus dem Interview:&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;"Es ist eben nicht nur die unbekannte Orchideenart oder der Minifrosch, der irgendwo im afrikanischen Urwald lebt, die sich derzeit für immer verabschieden. Es sind die uns vertrauten Arten, die einige von uns als Kinder vielleicht noch häufig gesehen haben."&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Welche Blumen habt ihr denn als Liebstes für eure Mutter gesammelt? Würdet ihr einen solchen Strauß heute auch noch machen können, in demselben Gebiet, in dem ihr als Kind die schönsten Blümchen gezupft habt?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dass eine Art in einem Gebiet ausgestorben ist, muss jedoch nicht zwangsläufig bedeuten, dass sie komplett vom Erdenball verschwunden ist (auch wenn das viel zu häufig der Fall ist). Manchmal liegen dem Phänomen auch schlichtweg Verschiebungen zugrunde. So &lt;a href="http://www.spektrum.de/news/klimawandel-und-landwirtschaft-setzen-unsere-voegel-unter-druck/1804949"&gt;zeigt der neue Europäische Brutvogelatlas offenbar&lt;/a&gt;, dass in der europäischen Vogelwelt eine Wanderung richtung Norden stattfindet. Die Sommer sind im Süden des Kontinentes so heiß und trocken, dass manche Vogelarten dort nicht mehr leben können - andererseits leben mittlerweile einige Arten in der Arktis, für die die Lebensumstände ehemals zu harsch waren. Dass derartige Wanderbewegungen in der Tier- und Pflanzenwelt passieren, ist an sich nichts Neues. Die Daten untermauern diesen einen Effekt des Klimawandels aber nochmal sehr schön. Ja, auch unter den nicht-menschlichen Organismen gibt es "Klima-Flüchtlinge". Doch was tun die echten "Nordlichter", die mit dem wärmeren Klima nicht klar kommen? Wie soll man nach Norden fliehen, wenn man nördlicher nicht mehr kann?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und ist die Erwärmung das einzige Problem? Nein. Ein Muster, welches man im Kontext "Artenschwund in der Vogelwelt" immer wieder hört, tritt auch hier wieder zutage: "Klimawandel und Veränderungen in der Landnutzung sind wohl die bestimmenden Größen für die Veränderungen [...] Insgesamt scheint es aber so, als spiele die veränderte Landnutzung für die Veränderungen bei den Vögeln eine noch größere Rolle als der Klimawandel – zumindest bisher."&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Lebensraumverluste - eine Folge jener "veränderten Landnutzung" - gehen auch mit unserer Bauwut einher. "Erstmals scheinen alle von uns geschaffenen Bauwerke, Maschinen, Autos und sonstigen künstlichen Gegenstände mehr zu wiegen als die gesamte lebende Biomasse", &lt;a href="http://www.spektrum.de/news/anthropozaen-mehr-beton-als-biomasse/1806368"&gt;schreibt Daniel Lingenhöhl auf spektrum.de&lt;/a&gt; und zitiert dabei eine in "Nature" veröffentlichte Studie. Wichtig: Es ist von Gewicht die Rede, nicht von Volumen. Ein Kubikmeter Beton wiegt mehr als ein Kubikmeter lebendiger Humus. Erstaunlich - und ein wenig bedenklich - ist das Ergebnis dennoch.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Passend zum Fest der "Besinnlichkeit", gegen Ende dieses historischen Jahres 2020, hat Daniel Lingenhöhl noch mehr zu sagen. In einem &lt;a href="http://www.spektrum.de/kolumne/mit-mut-gegen-klimawandel-artensterben-und-corona/1809242"&gt;Kommentar&lt;/a&gt; blickt auch er auf das Jahr zurück: Wie zu Anfang, als man das neue Corona-Virus hierzulande noch nicht ernst nahm, sorgenvoll auf die Waldbrände auf der Südhalbkugel schaute, eine der vielen Auswirkungen des Klimawandels. Wie die Pandemie dann unseren Fokus fort lenkte von Artensterben und Lebensraumverlust, obwohl gerade dies dieselbe erst ermöglichte. Wie die Menschheit dann mit geballter Forschungskraft alles Mögliche über das Virus herausfand und in Rekordzeit Impfstoffe entwickelte. Wie sie in Hinblick auf den Klimawandel und den globalen Biodiversitätsverlust weiterhin zu inaktiv bleibt, obwohl im Süden wieder die Wälder brennen. Wie wir vieles retten oder immerhin Prozesse verlangsmen könnten - wenn wir nur wollten. &lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
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    </item>
    <item>
      <title>Ein wenig Umweltpolitik</title>
      <link>https://diane-kluesener.de/posts/ein-wenig-umweltpolitik</link>
      <guid>https://diane-kluesener.de/posts/ein-wenig-umweltpolitik</guid>
      <pubDate>Fri, 04 Dec 2020 18:21:29 +0100</pubDate>
      <description>&lt;div class="trix-content"&gt;
  &lt;p&gt;Das EU-weite Verbot von Bleimunition in Feuchtgebieten ist endlich durch. Nachdem rechte Parteien unter dem Vorwand des "Tierschutzes" das Verbot &lt;a href="https://www.riffreporter.de/flugbegleiter-koralle/jagd-europa-bleiverbot-bleimunition/"&gt;noch einmal zu kippen versuchten&lt;/a&gt; - als "Argument" wurde die angebliche, aber bereits mehrfach widerlegte bessere Tötungswirkung von Bleimunition hervorgekramt - hat man sich nun endlich darauf geeinigt, die jagdliche Nutzung des giftigen Schwermetalles in besagten Gebieten zu untersagen (vgl. auch &lt;a href="https://www.riffreporter.de/flugbegleiter-koralle/voegel-bleiverbot-kommentar-aktualisiert/"&gt;diesen Kommentar dazu&lt;/a&gt;). Natürlich in guter klöckner'scher Manier mit einigen entschärfenden Zugeständnissen. So ist die Übergangsfrist ein wenig länger geworden, die "bleifreien" Pufferzonen um die Feuchtgebiete etwas geschrumpft und ein Besitzverbot für Bleimunition gibt es schonmal gar nicht. Wer soll kontrollieren, ob nicht doch mal jemand "aus Gewohnheit" und weil man "aus langjähriger Erfahrung" ja weiß, dass es ja "schonender für die Tiere" sei, dennoch ein wenig Bleischrot über die Grenzen hinaus verschießt? &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Noch lange nicht ad acta gelegt ist hingegen die Diskussion um die Gemeinsame Agrarpoltik (GAP) der EU. Es geht um nicht weniger als ~400 Milliarden Euro, 40% des EU-Haushaltes, und deren Verteilung in den nächsten sieben Jahren. Die Agrarminister hatten vor einiger Zeit einen Entwurf vorgelegt, der laut Ministerin Julia Klöckner einen "Systemwechsel" darstelle, in großen Teilen aber eher ein "weiter so" bedeutet. Vor allem untergräbt dieser Vorschlag die Ziele des "Green Deals", der von der EU-Komission feierlich vorgestellt wurde und schärfere Maßnahmen gegen den Biodiversitätsverlust ergreifen soll, als derzeit geschieht. Unter anderem soll die Verteilung von Subventionen nicht in dem Maße an Klima- und Umweltschutzmaßnahmen geknüpft werden, wie es von diversen Verbänden gefordert wurde und für eine erfolgreiche Umwelt- und Klimaschutzpolitik notwendig wäre. Großbritannien - hier nicht mehr an EU-Entscheidungen gebunden - &lt;a href="https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-11/landwirtschaft-grossbritannien-agrarsubventionen-klimaschutz-eu-austritt-nachhaltigkeit"&gt;schlägt direkt einen nachhaltigeren Weg ein&lt;/a&gt;. Man muss jedoch nicht erst aus der EU austreten, um es besser zu machen... Allerdings kann es durchaus sein, dass diesem tatsächlichen Systemwechsel der Briten so mancher Betrieb zum Opfer fallen könnte. So würde "Die Durchschnittsfarm [...] zunächst mehr als 50 Prozent weniger bekommen, bevor die neuen Programme 2024 voll verfügbar sein werden.", heißt es vom Chef der Country Land and Business Association Mark Bridgeman.&lt;/p&gt;

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    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Acker1&lt;/figcaption&gt;
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    &lt;img alt="muh" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MzAyLCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--7e2ea04ae319ee5cbd25e4c3c3527141c9ec7507/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJqcGciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--bacaf530d708b5f1687ef34862daea79c30f0b2d/muh.jpg"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;muh&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;p&gt;Die Landwirtschaft ist nicht der einzige Faktor, um den es bei der Verlangsamung des Klimawandels und Biodiversitäts-Schwundes - denn aufhalten können wir sie nicht mehr - geht. Aber er ist ohne Zweifel bedeutsam. &lt;a href="https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Farms_and_farmland_in_the_European_Union_-_statistics"&gt;39% der Landesfläche der EU wurden 2016 landwirtschaftlich genutzt&lt;/a&gt;. Im Jahr 2018 betrug der &lt;a href="https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/treibhausgas-emissionen-in-der-europaeischen-union#trends"&gt;landwirtschaftliche Anteil der Treibhausgas-Emissionen in der EU 394 Millionen Tonnen bzw. etwa 11%&lt;/a&gt;.  Zusätzlich befeuern strukturarme Agrarwüsten, der Einsatz teils gefährlicher Pestizide, die Verarmung der Böden und die zu hohe und unsere Gewässer vergiftende Düngerlast das Artensterben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;In der Europäischen Union beraten der Rat der Agrarminister, die Europäische Komission und das Europaparlament im sog. Trilog derzeit, wie sich die neue GAP mit dem Green Deal vereinbaren lässt. Das weitere Vorgehen wird in &lt;a href="https://www.riffreporter.de/naturschutz-biodiversitaet-trinkwasser/umweltpolitik-uebersicht-entscheidungen-2020-2021/"&gt;diesem Artikel&lt;/a&gt; der Riffreporter im Rahmen des Rechercheprojektes "&lt;a href="https://www.riffreporter.de/naturschutz-biodiversitaet-trinkwasser/"&gt;Countdown Natur&lt;/a&gt;" übersichtlich berichtet. Es lohnt sich, gelegentlich mal vorbeizuschauen, geht es doch darum, wie katastrophal wir unsere Lebensgrundlage zerschießen - Feuchtgebiet hin oder her.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dass sich etwas ändern muss, ist unumstritten. Auch sind viele Lösungsansätze bereits bekannt. Nur an der Umsetzung hapert es. Das liegt zum Beispiel an zu schwammig formulierten Zielen. Wenn &lt;a href="https://ec.europa.eu/info/strategy/priorities-2019-2024/european-green-deal/actions-being-taken-eu/farm-fork_de"&gt;die EU sagt&lt;/a&gt;: "Die Komission trifft Maßnahmen zur Verringerung der Nährstoffverluste um mindestens 50% unter Vermeidung rückläufiger Bodenfruchtbarkeit [...] bis 2030", klingt das für mich zunächst bloß so, als würde man sich "mal auf den Weg" machen. Wenn man 2030 das eigentliche Ziel, nämlich die Verringerung der Nährstoffverluste um mindestens 50%, nicht erreicht hat, ist das okay, denn man hat ja Maßnahmen getroffen, erste Schritte ergriffen, man ist nachweislich "auf dem Weg". Nun, wenn man mitten im Watt steht und um 12 Uhr ist Flut, sollte man sich bis dahin etwas mehr als nur "auf den Weg" gemacht haben - man sollte auf dem Deich stehen. Erst recht bei steigenden Meeresspiegeln.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Konkrete Ziele sind also von großer Bedeutung. Das bedeutet auch, dass sie nicht zu abstrakt sein dürfen. So ist das Ziel, "das Artensterben aufhalten" gut, aber in so abstrakter Form nicht sehr praktikabel. Sich konkrete Zwischenziele zu setzen könnte helfen. So schlägt eine Forschergruppe des Karlsruher Institutes für Technologie vor, sich auf eine Maximalzahl von &lt;a href="http://www.spektrum.de/news/eine-kennzahl-soll-den-verlust-der-artenvielfalt-aufhalten/1791011"&gt;jährlich 20 ausgestorbenen Arten&lt;/a&gt; zu beschränken. Mehr dürfe pro Jahr dann nicht mehr aussterben. Das klingt nach viel, ist aber wohl vergleichsweise wenig. Nicht zulegt, da dieses Ziel alle bekannten Arten einbezieht: alle Pilze, Pflanzen, Wirbellose und Wirbeltiere.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Große politische Entscheidungen, die die Bevölkerung in die richtige Richtung lenken, sind elementar, um den großen Herausforderungen dieser Zeit, dem Klimawandel und dem Biodiversitätsverlust, zu begegnen. Doch die Politik reagiert verspätet und langsam. Nicht zuletzt deswegen liegt es auch an jedem Einzelnen, seinen Lebensstil entsprechend zu ändern. Ein großer Hebel ist die &lt;a href="http://www.spektrum.de/news/die-planetary-health-diet-soll-fuer-gesunde-ernaehrung-sorgen/1799753"&gt;Ernährung&lt;/a&gt;, aber natürlich müssen wir auch etwas an dem Ausmaß und der Art unserer Mobilität ändern. Eine große Chance ist dabei das große Comeback des Fahrrades. Fahrräder halten fit, machen weniger Lärm, es kommt zu weniger Unfällen mit Mensch und Tier und wenn doch, sind diese seltener fatal. Von den Traibhausgas-Emissionen mal ganz zu schweigen, die fallen eigentlich nur in der Produktion an und sind im Vergleich zum Auto vernachlässigbar. Auch kann man mit dem Fahrrad viel leichter mal kurz inne halten und die Natur um sich genießen (das geht auch in der Stadt, denn auch da singen morgens die Amseln). Vielleicht kommt man auf einer Radtour auch mal durch ein Feuchtgebiet und begegnet zum Beispiel einer Reiherente - ohne Bleischrot im Magen, der sie langsam vergiftet. Vielleicht ist ihr Gewässer auch ausnahmsweise nicht von einem Zuviel an Nährstoffen belastet, vielleicht sind die Insekten, Muscheln und Schnecken, von denen sie sich ernährt, noch in großer Zahl vorhanden. Vielleicht...&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
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    </item>
    <item>
      <title>Mehr Tod für das Leben</title>
      <link>https://diane-kluesener.de/posts/mehr-tod-fur-das-leben</link>
      <guid>https://diane-kluesener.de/posts/mehr-tod-fur-das-leben</guid>
      <pubDate>Wed, 28 Oct 2020 14:37:18 +0100</pubDate>
      <description>&lt;div class="trix-content"&gt;
  &lt;p&gt;Der Herbst bringt an trockenen, sonnigen Tagen vielen Menschen Freude - die Bäume verfärben sich herrlich bunt, ein leichter Windstoß lässt goldgelbe Birkenblätter auf einen herunterregnen. Und wer hat als Kind nicht gerne die schönsten Blätter gesammelt und ist voller Freunde durch die hohen Laubhaufen auf dem Boden gehüpft?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Doch der süßliche Geruch des modernden Laubes erinnert uns auch daran, dass eines Tages alles vergehen muss. Die Blätter scheinen schließlich, zu Blattgerippen zersetzt, nicht mehr viel mit dem vitalen Baum gemein zu haben. Ebenso die welkenden Blütenstände im Garten, die bräundenden Stengel der Pflanzen, die im Sommer noch in solch prächtigen Farben leuchteten. Was stattdessen einsetzt ist ein irritierendes Chaos des Vergehens. Viele Menschen scheuen dieses "Chaos", bringen wieder "Ordnung" hinein, indem sie "aufräumen", vergangene Blüten so früh wie möglich tief herunterschneiden, bis schließlich nur noch blanker Boden in den Gartenbeeten übrig bleibt. Dabei trägt manche Pflanze doch vielleicht noch Samen, von denen sich der eine oder andere Vogel im kalten Winter ernähren kann? In so manchem Stängel mögen kleine Tiere überwintern - nicht nur die oft als "Ungeziefer" verschrienen Asseln, Hundert- und Doppelfüßer und Spinnen, sondern auch die eine oder andere Wildbiene? - "Ja, aber der Boden muss doch atmen!" ruft dann so manche/r Uninformierte aus. Nackter Boden, ja, da kommt Luft dran, das ist doch gut!&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Ein wenig Tod für den Boden...&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Also... nein. Zwar ist eine gute Durchlüftung des Bodens für eine effektive Humusbildung bedeutsam; genau diese Durchlüftung wird jedoch von genau jenem "Ungeziefer" ausreichend vorgenommen. Ein nackter Boden trocknet aus. In der trockenen Umgebung ist es den Kleintieren, Pilzen und mikroskopisch kleinen Organismen nicht mehr möglich, organisches Material in nährstoffreichen und Wasser speichernden Humus zu verwandeln. Die "Belüftung" geschieht dann nur durch Rissbildung bei Frost oder großer Trockenheit - in extremer Form hat dies negative Folgen. Denn die Böden trocknen noch schneller aus und verlieren an Lebendigkeit. Gerade lehmige Böden neigen bei Regen außerdem zu Verschlammung: durch den Aufprall der Regentropfen sammeln sich feine Lehmplättchen auf der Oberfläche. Ein solcher Boden wird bei folgender Trockenheit sehr hart. Beim nächsten Regen kann er das Wasser nicht mehr aufnehmen, es fließt einfach an der Oberfläche ab. Einerseits bekommen die in ihm wachsenden Pflanzen so nicht die Wassermenge, die sie für ein gesundes Wachtum brauchen; andererseits sammeln sich die abfließenden Wassermengen anderswo. Mag das Wasser im kleinen Hausgarten noch über die Kanalisation entweichen können (soweit sich nicht vorher eine Kellertür anbietet), sind von intensiv zernutzten, humusfreien Riesenäckern abfließende Wassermassen ein Problem anderen Kalibers. Ein wenig mehr tote Pflanzenmasse als Humus fördernde Mulchdecke, ein wenig mehr gedultete "Unordnung", kann Leben retten. (Und die Gärtnerin spart vielleicht ein wenig Geld, weil sie nicht so oft Blumenerde für ihre Beete kaufen muss...)&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;... und für den Wald&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Sind viele Privatpersonen offenbar noch lernresistent (man siehe nur die unzähligen Schottergärten, vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) passend die "&lt;a href="https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/trends-service/trends/23829.html"&gt;Gärten des Grauens&lt;/a&gt;" getauft) und viele Landwirte im Monsanto/Bayer-Teufelskreis gefangen, findet zumindest in der Waldwirtschaft so langsam ein sichtbares Umdenken statt. Immer häufiger sieht man abseits der Wege mehr oder weniger große Mengen an Totholz liegen, manchmal sogar abgestorbene , aber noch stehende Bäume - jedoch nur, solange sie der Wegesicherung oder wirtschaftlichen Interessen nicht im Wege sind. Die Natur dankt: Spechte zimmern Behausungen für ihren Nachwuchs, die nachher auch von anderen Vögeln oder von Säugetieren (Fledermäusen, Eichhörnchen, Bilchen...) genutzt werden. Amphibien finden ein kühles Versteck unter Baumstämmen und Geäst, Reptilien wärmen sich auf dem  durch das Sonnenlicht einer Lichtung bleichenden Holz auf. Pilze und Insektenlarven zersetzen das Material langsam in eine weiche Masse, welche wie ein Schwamm Feuchtigkeit aufsaugt, an heißen Tagen langsam wieder abgibt und so eine kühlere Umgebung schafft. Nie ist ein Baum lebendiger als nach seinem Tod...&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;... und im Tod kann er neues Leben der eigenen Art schützen. Durch einen Sturm umgeworfene, kreuz und quer liegende Baumstämme und die Kronen älterer Bäume versperren Reh und Hirsch den Weg. In ihrem Schutz können junge Bäume heranwachsen, ohne Gefahr zu laufen, von den hungrigen Herbivoren angeknabbert oder gar ganz heruntergefressen zu werden. Der Tod einer alten Generation erleichtert das Leben der nächsten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wenn wir also ein wenig mehr natürlichen Tod in der Pflanzenwelt zulassen, entsteht eine ganze Kaskade von Biodiversität fördernden und zugleich den negativen Folgen des Klimawandels entgegen wirkenden Prozessen. Doch können wir noch einen Schritt weitergehen?&lt;/p&gt;

&lt;h2&gt;Tote bringen Leben&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Wenn die Katze meiner Oma damals eine tote Maus anschleppte, landete diese üblicherweise in der Mülltonne. Gestorbene Haustiere - in meiner frühen Kindheit vor allem Kleintiere wie Wellensittiche und Co., später auch Hund und Katze - wurden unter Tränen liebevoll in der Erde vergraben. Der Anblick toter Tiere, wenn auch in abstrakter Form täglich auf dem Teller vorhanden, war niemals wirklich Teil des Alltages. Die Ausnahme bildeten im Aquarium verendete Fische, deren bleiches Fleisch von ihren Artgenossen verzehrt wurde, Teile davon stoben in kleinen Wolken durch das Wasser. Abstoßend, aber doch auch faszinierend. Viele Jahre später verfolgte ich gelegentlich den Verwesungsprozess einer Stadttaube, deren Kadaver auf einem Vordach der Schule lag. Man konnte in den Unterrichtspausen bequem von dem Fenster aus zuschauen, gegen welches das arme Tier womöglich geflogen war und so seinen Tod fand. Auch in den Schienen der Straßenbahn lagen manchmal Tauben. Wieder faszinierte mich, wie nach relativ kurzer Zeit nur noch eine undefinierte dunkelgraue Masse übrig blieb, schließlich war gar nichts mehr übrig. Weitere Begegnungen gab es in Form von Igeln und anderen kleineren Wildtieren, die dem Straßenverkehr zum Opfer fielen und für deren Beseitigung sich niemand zuständig fühlte. Für die meisten Menschen, gerade jene in den Städten, sind die Kadaver größerer Tiere jedoch ein unnatürlicher Anblick. &lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Leben im und am Kadaver&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Mittlerweile bin ich häufiger auf größere Kadaver gestoßen. Doch auch nach dem gelegentlichen toten Reh, Schaf und Wildschwein lässt selbst mich der Anblick eines toten Tieres noch immer nicht kalt. Die Gefühle leichten Unwohlseins werden aber heute überlagert  von einer gewissen Neugier den auf den Tod folgenden Prozessen der Verwesung und vor allem den daran beteiligten Organismen gegenüber: Wenn eine platt gefahrene Erdkröte auf dem Schotterweg doch noch "Regung" zeigt, kann dies z.B. an diversen Käfern aus der Familie der &lt;a href="https://www.kerbtier.de/cgi-bin/deFSearch.cgi?Fam=Silphidae"&gt;Aaskäfer (Silphidae)&lt;/a&gt; liegen (z.B. die &lt;a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rothalsige_Silphe"&gt;Rothalsige Silphe (&lt;em&gt;Oiceoptoma thoracicum&lt;/em&gt;)&lt;/a&gt;), welche sich u.a. von Aas ernähren und darin fortpflanzen. Natürlich sind auch Fliegenlarven (Maden) ein häufiger Anblick. Ältere Knochen, die letzten Reste eines Kadavers, weisen nicht selten Nagespuren von Mäusen auf, die die Kalzium-Quelle wohl zu schätzen wissen. Hier ergeben sich interessante Einblicke für den Fährtenkundler: Zum einen sind die Knochen, von der Sonne ausgebleicht oder von Moos und Algen überwachsen, die "letzte Spur", die ein Tier zurücklässt. Das Ende der Fährte. An den Zähnen (falls noch im Kiefer vorhanden) oder (bei frischeren Kadavern) den Fußballen bzw. Hufen/Klauen können die "Werkzeuge" studiert werden, mit denen die Spuren des lebendigen Tieres, wie Fraßspuren oder Trittsiegel, erzeugt werden. Zum anderen sind sie mit fortschreitendem Verwesungsstadium übersäht mit den Spuren anderer, lebender Tiere. Besagte Nagespuren sind ein Beispiel, doch auch eine weiträumige "Verteilung" des Kadavers kann eine Spur sein, z.B. die eines aasfressenden Räubers, welcher sich die Beute mit gewissem Körpereinsatz aufgebrochen und auseinandergezerrt hat. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wer sind diese großen, assfressenden Räuber? Man denkt spontan an Marder, Dachs und Fuchs. Doch auch Wildschweine verschmähen einen nährstoffreichen und vor saftigen Insektenlarven wimmelnden Kadaver nicht ("Schleimig, aber vitaminreich!"). Wölfe und Goldschakale mögen ebenso dazustoßen wie (Wild-)Katzen und Luchse. Unter den Vögeln sind es vor allem Rabenvögel, von der kleinen Dohle bis zum auf Aas spezialisierten Kolkraben, außerdem Eulen, Greifvögel und Geier. All diese Tiere übernehmen mit Vorliebe gern die sonst aufwendige "Entsorgung" einer so unansehnlichen Sache wie den Kadaver eines großen Säugetieres. Doch auch für Tiere, die wir nicht mit dem Tod in Verbindung bringen würden, ist ein Tierkadaver eine große Chance. Wir assoziieren Rotkehlchen, Kohlmeise, Admiral und Kleinen Fuchs eher mit Frühling und Sommer, mit frischem, kräftigen Leben, strahlenden Blüten, Sonne und Nektar. Auch sie wurden schon an Kadavern beobachtet, sich von ihm ernährend oder das Fell als Nistmaterial nutzend. (&lt;em&gt;Das holländische Projekt "dood doet leven" hat die Geschehnisse an verschiedenen größeren Kadavern mit Wildtier-Kameras aufgenommen und &lt;a href="https://www.youtube.com/user/dooddoetleven/videos"&gt;auf youtube der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt&lt;/a&gt;&lt;/em&gt;)&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Bei manch einem der oben aufgelisteten Tiere wird der/die/das Leser gestutzt haben. Dass der Wolf in Deutschland sein Comeback feiert (und dabei nicht jeden in Partylaune versetzt) ist mittlerweile gut bekannt und auch von dem einen oder anderen Adler-Vorkommen hat man vielleicht schon einmal gehört. Aber Schakale? Geier? Sowas gibt es doch nur in der Wüste - auf jeden Fall nicht in Deutschland!&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Große Nutznießer des Todes - auch in Deutschland.&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Nun - mal ganz davon abgesehen, dass manche Gegenden der Agrarlandschaft mit ihrer Lebensfeindlichkeit auch die sonnigste Wüste vielleicht sogar in den Schatten stellen - ist diese Annahme falsch. Der Goldschakal stammt zwar ursprünglich aus Asien und Südosteuropa, &lt;a href="https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Der-Goldschakal-breitet-sich-in-Niedersachsen-aus,goldschakal114.html"&gt;wandert&lt;/a&gt; seit geraumer Zeit aber auf natürliche Weise in Europa &lt;a href="https://www.spektrum.de/news/goldschakale-erobern-immer-mehr-gebiete-in-europa/1748766"&gt;ein&lt;/a&gt;.  Geier hingegen waren früher schon in Deutschland heimisch. Der &lt;a href="https://www.avi-fauna.info/greifvoegel/gaensegeier/"&gt;Gänsegeier&lt;/a&gt; brütete einst in der Schwäbischen Alb, auch im Bonner Raum soll er &lt;a href="https://netzwerk-kryptozoologie.de/moenchsgeier/"&gt;vorgekommen&lt;/a&gt; sein. Als absoluter Aasfresser war er nie eine Gefahr für lebende Weidetiere, sondern räumte lediglich auf, was durch andere Ursachen zu Tode gekommen war. Dennoch wurden die Vögel in früheren Zeiten verfolgt. Heute ist der Gänsegeier &lt;a href="https://www.wisia.de/FsetWisia1.de.html"&gt;streng geschützt&lt;/a&gt;, was ihm leider nur wenig bringt, da ihm hierzulande die Nahrungsgrundlage fehlt. Denn tote Weidetiere müssen gemäß EU-Verordnung (&lt;a href="https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/05_Tierarzneimittel/Rechtsgrundlagen/01_EU/VO_1774_2002.pdf;jsessionid=9BD9C7F13C7A3074349844690F7F2A21.1_cid360?__blob=publicationFile&amp;amp;v=3"&gt;EG 1774/2002&lt;/a&gt;) abgeholt und andersweitig beseitigt werden, zur Eindämmung von BSE und anderen Seuchen. Diese Art der "Weidehygiene", zusammen mit dem Fehlen großer Räuber, die den gelegentlichen Hirsch, aber auch mal ein Weidetier zu Strecke bringen, sorgen für einen Mangel großer Tierkadaver. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Jetzt sind Geier leider keine großen Sympathieträger. Dass man ihnen zuliebe gelegentlich ein Pferd, Rind oder einen Hirsch offen verwesen lassen sollte, wird der breiten Öffentlichkeit vergleichsweise schwer zutragbar sein. Leichter hingegen könnte es sein, zugunsten von Milanen oder Adlern - dem Symbolvogel Deutschlands - zu argumentieren. Wenn man nicht zufällig an einen Windenergie-Konzern gerät, welcher den wirtschaftlichsten Standort für seine Windräder genau im Bruthabitat von Rotmilan und Co. erkennt...&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Die Rolle der Jäger&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Und doch ist es nicht so, als sei die Natur "da draußen" vollkommen frei von Tierkadavern. Manche Wildtiere sterben - einfach so. An Altersschwäche oder einer natürlichen Krankheit. Dies geschieht wohl eher selten an offen einsehbaren Stellen, sondern im Verborgenen. Ein totes Reh im Dickicht wird von großen Aasfressern kaum entdeckt werden - mit Glück stolpert ein Wolf oder eine Wildkatze darüber, vielleicht erspäht der Habicht die Gelegenheit. Es sind vor allem die Kleineren, welche sich glücklich schätzen können.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;(Glücklich ist auch so mancher Haushund, der von dem toten Tier Wind bekommen hat. Frisch "parfümiert" steht er später vor Freude strahlend vor Herrchen/Frauchen. Die Freude bleibt einseitig.)&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Eine andere Quelle für größere Tierkadaver ist sogenanntes "Fallwild" - Wildtiere, die im Straßenverkehr umkommen. Es kommt durchaus vor, dass so mancher zuständiger Jäger das tote Wild an unauffälliger Stelle ablegt und dort verrotten lässt. Die Kadaver von der Straße zu entfernen ist nicht nur aus ästhetischer Sicht sinnvoll. Denn nähern sich die Nutznießer des Wildunfalles dem gedeckten Tisch, werden sie nur zu schnell selbst Teil des Menüs (man siehe nur die reich "gefiederten" Randstreifen der Autobahn...).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Der schon erwähnte Jäger ist ebenfalls eine Quelle für Kadaver(teile). Gemäß des Leitfadens 125 des Landesjägerverbandes Rheinland-Pfalz heißt es: &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;"Nach dem Erlegen und direkten Aufbrechen des Wildes im Jagdbezirk können die nicht für den Verzehr vorgesehenen Teile dort verbleiben. Dies gilt für den Aufbruch (z.B. Magen-Darm-Trakt, Lunge, Geschlechtsorgane) und für direkt anfallende Zerwirkreste (z.B. Kopf, Gliedmaßen, Schwarte, Knochen). Diese Aufbrüche und Zerwirkreste müssen gemeinwohlverträglich zurückgelassen werden. Das heißt, es darf zu keiner Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sowie von Naturnutzenden und zu keiner Beeinträchtigung der Umwelt kommen. Ein Vergraben von Aufbrüchen und Zerwirkresten ist grundsätzlich möglich. Hierbei ist insbesondere ein ausreichender Abstand zu Gewässern, zum Grundwasser und zu Wasserschutzgebieten einzuhalten"&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Fallen größere Mengen solcher "Abfälle" an - beispielsweise im Rahmen einer größeren Drückjagd - heißt das aber nicht, dass anschließend ein riesiger, dampfender Berg von Innereien in den Wald gebracht werden sollte. Das wäre nicht mehr "gemeinwohlverträglich". Insbesondere derzeit darf auch nicht jede Art von Aufbruch und Schlachtabfall im Wald  belassen werden - Wildschwein-Reste müssen separat entsorgt werden. Grund dafür ist die Ausbreitung der &lt;a href="https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/afrikanische-schweinepest-1787454"&gt;Afrikanischen Schweinepest&lt;/a&gt;. Doch auch aus anderen Gründen können die Reste des geschossenen Wildes problematisch sein, nämlich wenn  der Jäger noch immer mit Blei schießt. Blei wirkt als ein Nervengift, das wir aus guten Gründen aus Farbe, Sprit und Rohrleitungen verbannt haben. In Form von Munition wird es jedoch leider weiterhin in der Landschaft verteilt. Zumindest in Feuchtgebieten ist die Nutzung von Bleimunition immerhin vor Kurzem verboten worden (mehr Hintergründe dazu in &lt;a href="https://www.riffreporter.de/flugbegleiter-koralle/bleischrot-verbot/"&gt;diesem Artikel&lt;/a&gt;). Ein kleiner, aber wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Auf lange Sicht muss Bleimunition komplett verschwinden. Es kann nicht sein, dass zum Beispiel Seeadler von den jagdlichen Überresten zunächst zwar profitieren, letztendlich aber an einer Bleivergiftung sterben, weil sie mit den Kadaver-Resten auch Bleisplitter - Überbleibsel der Munition - aufnehmen. Dem &lt;a href="http://www.izw-berlin.de/de/seeadler-gesundheitsmonitoring.html"&gt;Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung zufolge&lt;/a&gt; sind Bleivergiftungen für gut ein Drittel der in Untersuchungen tot aufgefundenen Seeadler verantwortlich - in einigen Schutzgebieten sind es sogar 50%. &lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Rewilding Europe&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Es scheint, als reiche all dies nicht aus, um große, auf frei zugängliche Kadaver angewiesene Tiere zu unterstützen und diesen Teil unserer Natur zu erhalten. Das verwundert kaum, denkt man einmal darüber nach. Zum einen lässt der Jäger von seinen geschossenen Tieren nur das im Wald, was er selbst nicht gebrauchen kann. Aufbruch und Zerwirkreste ersetzen wohl keinen kompletten Kadaver. Zum anderen werden solche Kadaver(reste), die im Wald belassen werden, von vielen großen Tieren, insbesondere großen Greifvögeln, kaum entdeckt, da diese vorzugsweise auf offenen Flächen nach Nahrung suchen. Die mitteleuropäische Landschaft hat jedoch unter starkem Nutzungsdruck zu leiden. Von der nicht für Siedlung oder Verkehr genutzten Landesfläche Deutschlands werden um die 60% für die Landwirtschaft genutzt und scheiden als Expositionsort aus. Lediglich rund 1.94% (1.6% der Gesamtfläche Deutschlands) bestehen aus offenen Flächen anderer Art (Heide, Moor, Sumpf, "Unland" = vegetaionslose Fläche anderer Art), der Rest ist Wald oder Gehölz (Datenquelle: &lt;a href="https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-Fischerei/Flaechennutzung/Tabellen/bodenflaeche-insgesamt.html;jsessionid=95A9779475B71A9892423F4C9B3585DB.internet711"&gt;Statistisches Bundesamt&lt;/a&gt;, Stand 31.12.2019). Und selbst in diesem kleinen Rest existiert stellenweise Nutzungsdruck in Form von Naturtourismus.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dennoch soll in Europa wieder mehr "echte" Wildnis entstehen - eine Wildnis, in der auch große Herbivoren und einst verdrängte oder aktiv verfolgte Carnivoren wieder Platz finden und ihre regulatorischen Wirkungen in die komplexen Gefüge unserer Ökosysteme einbringen können. Dieses Ziel verfolgt unter anderem die Organisation &lt;a href="https://rewildingeurope.com/"&gt;"Rewilding Europe"&lt;/a&gt;. Einst in Holland gegründet, agiert die Organisation mittlerweile in mehreren europäischen Ländern. Große, frei zugängliche Kadaver hat Rewildung Europe als essentiellen Teil eines ursprünglichen, intakten Ökosystems erkannt und fördert die Exposition solcher, mehr noch, versucht die Akzeptanz für frei verrottende Tiere in der Bevölkerung zu mehren, indem sie &lt;a href="https://www.rewildingeurope.com/wp-content/uploads/publications/circle-of-life/index.html#"&gt;Informationsmaterial&lt;/a&gt; zur Verfügung stellen und sogar Exkursionen mit Kindern zu Kadaverstellen durchführen. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Denn auch wenn der Tod für viele Menschen unserer Gesellschaft heute ein in Plastik verschweißtes Abstraktum darstellt, auch wenn wir unsere direkte Umgebung oft klinisch sauber zu halten versuchen - diese eine, ja so hässliche Wahrheit des Lebens blickt uns dennoch durch die glanzlosen Augen des kleinen Singvogels entgegen, der gegen die makellos geputzte Fensterscheibe flog und seinen frühen Tod fand. Es ist ein Teil des Lebens. Das Korn, das der Schnitter schneidet, ernährt Unzählige, doch wir lassen sie durch Hygienewahn an falscher Stelle hungern. Lassen wir es ihnen, wo es geht.&lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzI5OT9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--d86e148bd26bc6360c66a9a8f39e19800a20a44c" content-type="image/jpeg" filename="Schaedel.jpg" filesize="336611" width="1190" height="791" previewable="true" caption="Rehschädel"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--jpg"&gt;
    &lt;img alt="Rehschädel" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6Mjk5LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--99bd74f099b4f6e62f3af808ff40c618c8248f1f/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJqcGciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--bacaf530d708b5f1687ef34862daea79c30f0b2d/Schaedel.jpg"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Rehschädel&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;
&lt;/div&gt;
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    </item>
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      <title>Herbststimmung</title>
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      <pubDate>Sun, 04 Oct 2020 21:38:11 +0200</pubDate>
      <description>&lt;div class="trix-content"&gt;
  &lt;p&gt;Der Herbst ist die schönste Jahreszeit. Das Obst hängt reif an den Bäumen, rote Beeren schmücken die Sträucher und das welkende (aber nicht einfach nur dörrende) Laub verzaubert die Landschaft in ein sanftes Bunt. Es ist angenehm abgekühlt, sodass man seine Lieblingspullover wieder überstreifen kann. Morgens liegt Nebel und Tau auf den Wiesen und von Zeit zu Zeit fliegt ein großes "V" trompetender Kraniche über einen hinweg. Nicht zu vergessen die vielen Pilz-Fruchtkörper, die ihre teils bizarren Formen aus dem Boden schieben (aber dazu mehr in einem separaten Blogpost).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mittlerweile ist die Äquinox verstrichen; mit dem Herbst ist es auch Morgenmuffeln leichter, mal die frühen Morgenstunden abzupassen. So schob auch ich mich gegen Ende September einmal vor Sonnenaufgang aus dem Bett, um ein paar besondere (und zugegebenermaßen klischeehaft-kitschige) Bilder zu schießen. Die folgenden vier Fotos sind eine kleine Auswahl daraus:&lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzI5MT9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--a21d180d2c2b5ad006fe2f3881800e15ba8ae24f" content-type="image/jpeg" filename="DSC_8965.JPG" filesize="147126" width="1190" height="791" previewable="true" caption="Herbststimmung"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--JPG"&gt;
    &lt;img alt="Herbststimmung" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MjkxLCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--afffbf3e2b34506b99c808d0fe62464ec37bc519/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_8965.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Herbststimmung&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzI5Mj9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--32db2638e43c07831ddd20ba5772feeacbe0827b" content-type="image/jpeg" filename="DSC_8959.JPG" filesize="220329" width="1190" height="791" previewable="true" caption="Herbststimmung"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--JPG"&gt;
    &lt;img alt="Herbststimmung" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MjkyLCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--20f12fe0316ad9f15fe052f4a0b457766e1689e7/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_8959.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Herbststimmung&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzI5Mz9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--f132b8c36504945c5ce40857c461bcce8f40551a" content-type="image/jpeg" filename="DSC_9003.JPG" filesize="302113" width="1190" height="791" previewable="true" caption="Herbststimmung"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--JPG"&gt;
    &lt;img alt="Herbststimmung" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MjkzLCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--31823009583136237a073e0780ef9258b5f1e814/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_9003.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Herbststimmung&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzI5ND9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--4b0f31a0387cb4b52e1377f670e8b8ce891e332e" content-type="image/jpeg" filename="DSC_9030.JPG" filesize="231854" width="1190" height="791" previewable="true" caption="Herbststimmung"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--JPG"&gt;
    &lt;img alt="Herbststimmung" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6Mjk0LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--0dab1c48591852f29ca04001bae02c834064ab31/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_9030.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Herbststimmung&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;h3&gt;Begegnungen am Wegesrand&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Wer jetzt in Wald und Flur unterwegs ist, hat sein suchendes Auge wahrscheinlich vor allem auf eines getrimmt: Pilze! Seien es Wiesen-Champignons, Parasol-Pilze, Birkenpilze, Maronen, Steinpilze, Goldröhrlinge, Hallimasch... doch das breit suchende Auge sieht noch mehr! Keinesfalls entging mir dieses sonderbar an der Flatterbinse klebende Birkenblatt, das von einer passend gefärbten Kreuzspinne als Versteck genutzt wurde:&lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzI5NT9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--4559ea1d4b5708c5afac30ee4a42872c9e9f381a" content-type="image/jpeg" filename="DSC_9204.JPG" filesize="202299" width="1190" height="791" previewable="true" caption="Kreuzspinne und Birke"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--JPG"&gt;
    &lt;img alt="Kreuzspinne und Birke" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6Mjk1LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--37ab5de7ed2d17ef405f6e52c17d1c1696bb4a7c/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_9204.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Kreuzspinne und Birke&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;p&gt;Direkt daneben - quasi auf derselben Pflanze, jedoch einem anderen Halm - saß eine auffallend bunte Raupe. Ich schickte das Bild einem Experten zu, welcher mich daraufhin informierte, es handele sich um die Raupe der &lt;a href="http://schmetterling-raupe.de/art/potatoria.htm"&gt;Grasglucke  (&lt;em&gt;Euthrix potatoria&lt;/em&gt;)&lt;/a&gt;, welche in dieser Form bald überwintere:&lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzI5Nj9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--3e779aa93bdac84b389f02be15016ba5a0fc4e19" content-type="image/jpeg" filename="DSC_9207.JPG" filesize="140375" width="1190" height="595" previewable="true" caption="Grasglucke"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--JPG"&gt;
    &lt;img alt="Grasglucke" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6Mjk2LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--ec79abf4c27312b97080289315df164c8d8ce38f/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_9207.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Grasglucke&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;p&gt;Durchaus bemerkenswert auch diese fingerdicke (!) Raupe des &lt;a href="http://www.schmetterling-raupe.de/art/rubi_macrothylacia.htm"&gt;Brombeerspinners (&lt;em&gt;Macrothylacia rubi&lt;/em&gt;)&lt;/a&gt;. Die langen dunklen Haare können wohl zu Hautreaktionen (z.B. Schwellungen) führen, wenn man die Tiere in der bloßen Hand hält. Auch dieses Tier überwintert in dieser Form.&lt;/p&gt;

&lt;action-text-attachment sgid="eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ImdpZDovL25ldXRqZW50aGFsMS9BY3RpdmVTdG9yYWdlOjpCbG9iLzI5Nz9leHBpcmVzX2luIiwicHVyIjoiYXR0YWNoYWJsZSJ9fQ==--d406908828aca6c3e513a0f3268de3e1bfcb7f7d" content-type="image/jpeg" filename="DSC_9230.JPG" filesize="181231" width="1190" height="595" previewable="true" caption="Brombeerspinner"&gt;&lt;figure class="attachment attachment--preview attachment--JPG"&gt;
    &lt;img alt="Brombeerspinner" src="https://diane-kluesener.de/rails/active_storage/representations/redirect/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6Mjk3LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--5a5ca774bc45e0ffd518e6f8ddb555a0c9c5fa04/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6eyJmb3JtYXQiOiJKUEciLCJyZXNpemVfdG9fbGltaXQiOlsxMDI0LDc2OF19LCJwdXIiOiJ2YXJpYXRpb24ifX0=--0d637c21132485afa1d2511be7a2946f27406bb0/DSC_9230.JPG"&gt;

    &lt;figcaption class="attachment__caption"&gt;Brombeerspinner&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;/action-text-attachment&gt;

&lt;p&gt;Dies ist nur ein kleiner Ausschitt all der Wunder, die man im Herbst am Wegesrand noch findet. Es lohnt sich, immer ein Auge offen zu halten - nicht nur auf Dinge, die weit entfernt sind, so wie die ziehenden Vögel am Himmel oder Rehe und Hirsche in den Wiesen, sondern auch auf die kleineren Dinge, die Flechten und Moose, unscheinbare Baumpilze und nicht zuletzt die Vielfalt an Insekten und anderem "Krabbeltier", welches sich mit uns diese Welt teilt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
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