Bienenärsche!
Dieses Vorhaben erwies sich als schwieriger als gedacht. Denn bei sonnigem, warmem Wetter sind die Bienchen nicht nur da, sie sind auch verdammt flink. Dass gelegentlich eine angenehme Brise die Blüten hin- und herschwenkte, erleichterte die Sache nicht wirklich. Wie soll man bitte ein scharfes Makro-Foto schießen, wenn sich einfach alles ständig bewegt?!
Doch es gibt einen Moment, in dem die Bienen (und zufällig manchmal der Wind) kurz innehalten: Und zwar während die Insekten ihr Futter aufnehmen. Sie harren aus, mit dem Kopf tief in den Blüten, das Abdomen gut sichtbar. Letzteres ist je nach Blütenaufbau das einzige, was man überhaupt noch sieht. Entsprechend kamen bei meinen Fotografie-Versuchen vor allem Fotos einer Sache zustande: Bienenärsche.
Zum Glück hielt ein Hosenbienen-Männchen lange genug still, um es auch aus anderen Winkeln zu fotografieren. Die Hinterbeine sind mit langen Haaren besetzt, aber bei weitem nicht so flauschig wie die der Weibchen. Das müssen sie auch nicht sein, denn schließlich sammeln die Männchen keinen Pollen, um damit die Brut zu versorgen. Jeglicher Pollen in der Behaarung einer männlichen Biene landet nur zufällig darin und wird nicht aktiv gesammelt. Beim Besuch der nächsten Blüte kann diese dann bestäubt werden. Weibliche Bienen bestäuben natürlich auch äußerst effizient, sammeln einen großen Teil der Pollenkörner aber an speziellen Strukturen ihres Körpers. Bei Honigbienen und Hummeln sind das sogenannte "Körbchen" an den Hinterbeinen, bei Blattschneider- und Mauerbienen "Bauchbürsten", also längere, dichte Behaarung auf der Unterseite des Abdomen. Bei der Hosenbiene sind Teile der Hinterbeine extrem flauschig behaart. Der Unterschied zwischen Hosenbienen-Männchen und -Weibchen wird bei den folgenden zwei Bildern sehr deutlich:
Hosenbienen - Cowgirls in Plüsch
Mit ihren plüschigen Hinterbeinen sehen Hosenbienen tatsächlich so aus, als hätten sie Hosen an. Mich persönlich erinnern sie ein wenig an das Klischee-Bild von Cowboys mit ihren weiten Lederhosen, mit denen sie dann breitbeinig zum Duell staksen. Allerdings müssten wir an dieser Stelle von Cowgirls sprechen, da hier ja nur die Weibchen die "Hosen" tragen. Auf der Seite www.wildbienen.info steht zu der Gattung Dasypoda, sie seinen "Arten der offenen Landschaft und besiedeln vor allem steppenartige Lebensräume". Passt doch gut, oder? Mädchen, schwing dich aufs Heupferd und suche in der sengenden Sonne nach einer Herde Büffelzikaden!
Man muss aber nicht in einer Steppe stehen, um Hosenbienen beobachten zu können. Der perfekte Lebensraum besteht zwar aus "Magerrasen, Sandrasen, Ruderalstellen", aber letzten Endes brauchen sie "nur" ausreichend offenen, idealerweise eher sandigen Boden, in dem sie ihre Nester anlegen können, sowie eine ausreichende Menge von Blütenpflanzen. Bei Dasypoda hirtipes, jener Art, die ich im Moor beobachtete, sind das vor allem Korbblüter. Ich beobachtete Hosenbienen schon im Ribe Vikingecenter in Dänemark, wo sie die offenen Bodenstellen in Wiesen nutzten, die von den Menschen dort regelmäßig gepflegt werden (manche nennen es "Trampelpfad"). Kürzlich sah ich zudem eine Hosenbiene in Ratzeburg in einer Wohnsiedlung mit vielen kleinen und mittelgroßen Gärten. Dass "meine" Hosenbienen von den Fotos in einem Moor leben und nisten können, liegt daran, dass ein Teilbereich des Moores von einem "Sandweg", also einem Weg aus feinerem Kies und Sand, durchzogen ist. An den weniger stark genutzten Stellen des Weges können Wildbienen und Co. ihre Nester graben. Eine noch viel bessere und von vielen Bienen und Wespen gut genutzte Stelle liegt aber abseits des Weges. Dort wird das Moor von einer Sandbank durchzogen, welche mächtig genug ist, um den Tieren gute Lebensbedingungen zu bieten. Der sonst torfige Boden eines Moores wäre nicht geeignet und außerdem zu feucht.
(Leider ist das Moor stark entwässert und großflächig degradiert. Wo der einstige Torfboden dauerhaft trocken und stark mineralisiert ist (und bereits Unmengen CO2 ausgestoßen hat und weiter ausstößt) gewinnt er vielleicht an Attraktivität für grabende Insekten, die ihn sonst mieden. Leider ist das keine gute Nachricht für das Moor.)
Wo eine Hosenbiene in ihrem Loch verschwindet, betritt sie einen bis zu einem Meter tiefen Gang mit Abzweigungen, an deren Enden sich mehrere Brutzellen befinden. Da es im Boden - auch im Sandboden - feucht ist, kleiden die meisten Wildbienen ihre Gänge mit einem Drüsensekret aus, welches den Futtervorrat für die Larven vor Verschimmelung schützt. Hosenbienen tun dies allerdings nicht. Stattdessen formen sie den Vorrat aus Pollen und Nektar so, dass die "Futterkugel" auf drei kleinen "Füßchen" steht und somit keinen Kontakt zu den feuchten Wänden erhält. Man mutmaßt, dass dies ein Verderben der Nahrung verhindern soll.
Weitere geglückte Schnappschüsse
Der Bienenarsch des Titelbildes gehört überigens dem Männchen einer Schmalbiene, wahrscheinlich handelt es sich dabei um Lasioglossum leucozonium, im Deutschen wohl auch Weißbinden-Schmalbiene genannt. Diese Bienengattung ist schwer zu bestimmen, selbst wenn man die Tiere fängt, präpariert und unter einem guten Stereo-Mikroskop betrachtet. Mir bereiten sie bislang noch immer wieder Schwierigkeiten.
Auch Schmalbienen nisten im Boden (rund 75% der Wildbienen tun dies) und sammeln Pollen an den Hinterbeinen. Als Männchen brauchte diese Biene hier aber wieder einmal nicht sammeln. Weibchen zu finden und diese zu befruchten ist ihre einzige "Aufgabe". Das geht am besten, wenn "Mann" die Weibchen gut riechen kann, was widerum ab besten mit schön sauberen Antennen funktioniert.
Zu guter letzt möchte ich noch ein Bild teilen, auf dem weder Arsch noch Biene zu sehen ist. Es handelt sich um ein Grünwidderchen, ein äußerst hübscher Falter mit metallisch-grünblauen Schuppen, der mir in letzter Zeit immer häufiger auffällt - nicht nur im Moor, sondern auch auf der Blühwiese in meinem Garten.